Windstromanbieter Siemens Gamesa treibt Energiewende mit SAP S/4HANA voran

Siemens Gamesa Renewable Energy, weltweiter Marktführer im Bereich der erneuerbaren Energien und 2017 aus der Fusion des Windkraftgeschäfts der Siemens AG mit dem spanischen Unternehmen Gamesa hervorgegangen, hat sich für die Implementierung von SAP S/4HANA entschieden, um Prozesse zu standardisieren und globale Abläufe zu steuern.

Siemens Gamesa mit Hauptsitz im spanischen Zamudio arbeitet weltweit als Pionier und Marktführer der Windindustrie im Zentrum der globalen Energiewende, um die größte Herausforderung unserer Generation zu bewältigen – die Klimakrise. Das Unternehmen entstand im April 2017 durch den Zusammenschluss des Windkraftgeschäfts von Siemens und des spanischen Windkraftanlagenbauers Gamesa.

Als weltweit tätiges Unternehmen mit lokalen Niederlassungen hat Siemens Gamesa mehr als 110 GW in 74 Ländern installiert und bietet so den Zugang zu sauberer, erschwinglicher und nachhaltiger Energie. Im Jahr 2020 beschäftigte das Unternehmen 26.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 9,5 Milliarden Euro. Das neu gegründete Unternehmen will weltweit führend in der Branche der erneuerbaren Energien sein und den Übergang zu einer nachhaltigen Welt vorantreiben, indem es sein Onshore- und Offshore-Geschäft weiter ausbaut. Um erfolgreich zu sein, benötigte man schnell ein einheitliches ERP-Softwaresystem, auch um sich aus der Abhängigkeit der Siemens-Altsysteme zu lösen und um unabhängig und global agieren zu können. Das IT-Modell der Zukunft konsolidierte elf verschiedene SAP-Systeminfrastrukturen zu einer globalen SAP-Architektur.

Greenfield-Einführung von SAP S/4HANA

„Es war nicht möglich, die IT auf der bestehenden Infrastruktur von Siemens Wind power oder Gamesa aufzusetzen, da diese nicht ausbaufähig war“, berichtet CIO Alan Feeley über die Entscheidung für SAP S/4HANA. „Es gab bei uns aber bereits ein großes SAP-Erbe sowie viel Wissen und Erfahrung aus der Vergangenheit.“ Die Entscheidung fiel den Verantwortlichen umso leichter, da die bestehenden Systeme zudem das Ende ihres Lebenszyklus erreicht hatten.

Siemens Gamesa setzte auf einen Greenfield-Ansatz. Kernstück ist SAP S/4HANA in einer Hybrid Azure Cloud, die zusammen mit den Partnern Infosys und Microsoft aufgebaut und entwickelt wurde. Dazu kommen mit der Beschaffungslösung SAP Ariba, dem digitalen B2B-Marktplatz Ariba Network und dem SAP Field Service Management separate Cloud-Lösungen. Die eigenen Rechenzentren wurden Ende März 2021 abgeschaltet.

Mit SAP, SAP Multiresource Scheduling (MRS) und SAP Field Service Management zusammen wird die effiziente Einsatzplanung der Servicemitarbeiter vor Ort erledigt. „Wenn ein Techniker eine Anlage, die mitten in der Nordsee steht, besucht, sollte er natürlich auch alle benötigten Teile bei sich haben“, sagt CIO Feeley.

Siemens Gamesa setzt auf Prozesseffizienz

Bei der auf 18 Monate angesetzten SAP-S/4HANA-Einführung hat die IT zunächst ein Pilot-Template für Großbritannien und Irland entwickelt. Im Oktober 2020 wurde es auf sieben Länder übertragen. „Es war recht herausfordernd, aber ein sehr erfolgreicher Rollout“, bestätigt Alan Monaghan, weltweiter Leiter des SAP-S/4HANA-Programms bei Siemens Gamesa. Bei der Migration wurde das Unternehmen vom SAP-Partner Infosys unterstützt.

Nun werden 13 weitere Länder an das neue ERP-System angeschlossen, bis zum Ende des Roll-Out-Plans im Jahre 2023 sollen es 60 sein. Die Einführung erfolgt in allen Geschäftsbereichen, Onshore, Offshore, im Servicebereich und in den zentralen Unternehmensfunktionen. Am Ende werden über 10.000 Anwender und mehrere tausend Servicemitarbeiter das System nutzen. Die letzten Verbindungen zu den alten SAP-Systemen von Siemens sollen im Sommer 2021 gekappt werden.

Ein ausgefeiltes Change Management vereint die Mitarbeiter der zwei Unternehmen, damit diese dann als ein Unternehmen agieren. Das Projektmotto lautet: “One SGRE” (Siemens Gamesa Renewable Energy). Ein und derselbe Prozess soll überall im Unternehmen gleich umgesetzt werden.

Im Mittelpunkt dieser Strategie steht SAP S/4HANA. „Wir haben die Altsysteme von Siemens power und Gamesa konsolidiert und das gesamte Unternehmen auf digitale Effizienz ausgerichtet“, erklärt Feeley. Der CIO setzt damit auf Prozesseffizienz, Standardisierung und Industrialisierung: „Wir wollten die Geschäftsprozesse harmonisieren und die Komplexität reduzieren.“

Nur noch ein System für alle Servicemitarbeiter

„Unsere Serviceteams in den verschiedenen Ländern nutzten bisher verschiedene mobile Plattformen, um die Arbeit vor Ort zu unterstützen“, sagt Neil McLaren, Service Project Manager bei Siemens Gamesa. „Nun gibt es mit SAP Field Service Management nur noch eine Kernkomponente, die einfach zu implementieren ist. Das Feedback unserer Mitarbeiter war insgesamt positiv.“

Stefan Winkelmann, Business Solutions Architect, sagt: „Vor der Migration auf das neue System hatte jedes Land seine eigenen Logistikprozesse. Sie zu standardisieren, war ein großer Schritt nach vorn. Jetzt müssen wir die Mitarbeiter nur einmal schulen und können den Prozess überall auf der Welt einsetzen.“

Die Fusion brachte zwei Unternehmen mit unterschiedlichen Legacy-Systemen zusammen. Bevor das neue Unternehmen also seine IT transformieren konnte, mussten Prozesse und Prozessverantwortung harmonisiert werden.

Die Transformation schloss eine große Anzahl an Anwendungen ein. Alle Produkte, etwa für PLM, CRM, HR, Unternehmens- und Projektplanung sowie Reporting, mussten parallel integriert und an das neue SAP-S/4HANA-System angepasst werden.

Doch es gab eine Herausforderung, die das Projektteam nicht vorhersehen konnte: Der Beginn der Haupttestphase fiel mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie im März 2020 zusammen. Mehr oder weniger über Nacht musste das Team auf Remote-Arbeit umstellen. „Glücklicherweise hatten wir ‘technologisch’ alles an Bord, um alle Beteiligten miteinander virtuell zu verbinden. An die neue, digitale Zusammenarbeit der Implementierungsteams haben wir uns sehr schnell gewöhnt“, sagt Monaghan.

Schnellere Time-to-Market

Ein straffer Zeitplan musste erfüllt werden, um den rechtlichen Anforderungen der Fusion zu entsprechen, die die Trennung von den Siemens-Altsystemen vorgab. Auch galt es, lokale Compliance- und Regulierungsanforderungen und die Siemens-Buchhaltungsstandards zu beachten.

Das Projekt hat alles erreicht, was es sich vorgenommen hat. Feeley: „Das Projekt hat unsere Erwartungen erfüllt. Wir sind zuversichtlich, dass der globale Roll-out uns unserem Ziel, die Komplexität um 30 Prozent zu reduzieren, näherbringt. Bereits jetzt sehen wir eine höhere IT-Kosteneffizienz im Zusammenhang mit der Einführung eines einzigen SAP-Systems, das in einem modernen Hybrid-Cloud-Rechenzentrum betrieben wird.”

Letztlich wurden alle gesteckten Ziele erfüllt. CIO Feeley: „Wir haben eine Prozessvereinfachung und Reduzierung der Komplexität um bis zu 30 Prozent erreicht. Die Skalierbarkeit des Geschäfts hat sich erhöht, die IT-Kosten wurden gesenkt.“

Es gibt nun harmonisierte Prozesse über alle Geschäftsbereiche und Regionen hinweg mit nur noch einem einzigen System für den Betrieb und einem gemeinsamen Data Lake als Single Point of Truth. „Siemens Gamesa hat jetzt eine schnellere Time-to-Market und mehr Transparenz in der Produktivitätsplanung“, stellt CIO Feeley fest. „SAP S/4HANA ermöglicht es uns, weiterhin dem Wettbewerb voraus zu sein – trotz steigenden Kostendrucks in der Branche.“