Logistik: Top-Thema für Führungskräfte

Das Supply Chain Management verfügt über eine hohe strategische Bedeutung für Unternehmen. Darüber sind sich auch Führungskräfte im Klaren. Wie verletztlich die Logistik ist, zeigten jüngst globale Ereignisse wie die Corona-Pandemie oder Behinderungen auf internationalen Schiffsverkehrsstraßen.

Schlechte Nachrichten zeigen auf, wo Komplikationen bestehen. Am Beispiel des  durch ein Containerschiff blockierten Suezkanal wurde dies deutlich: Es gab Lieferverzögerungen bei Produkten und Materialien, die in der Pandemie dringend benötigt wurden. Es kam zu Engpässen bei Halbleitern in der Automobilindustrie, die seit 50 Jahren auf Just-in-Time-Fertigungen setzen, um Lagerkosten zu sparen.

So steht das Thema Supply Chain bei Führungskräften nun an erster Stelle. Gerade im vergangenen Jahr wurde die Wichtigkeit besonders deutlich. Die Logistik ist für Unternehmen von strategischer Bedeutung. Im Juni 2021 befragte der Finanzdienstleistungskonzern JPMorgan Chase 1.375 Führungskräfte mittelständischer US-Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 20 und 500 Millionen US-Dollar. Die Ergebnisse der 2021 Business Leaders Outlook Pulse Survey sind seit kurzem veröffentlicht und stimmen mit den Kundenberichten überein.

Das ist Führungskräften im Bereich Logistik besonders wichtig

  • Resilienz ist eines der drei wichtigsten Themen: „Fast zwei Drittel der Befragten geben an, dass sie aufgrund der Pandemie neue Produkt-/Servicelinien eingeführt haben, die sie später beibehalten werden. Die meisten Unternehmen wollen an ihren neuen Supply-Chain-Strategien festhalten und diese auch nach der Pandemie beibehalten.“
  • 62 % der Befragten gehen davon aus, dass im kommenden Jahr weitere Probleme in den Lieferketten auftreten werden.
  • Während 51 % der befragten Unternehmen Backoffice-Funktionen mit neuen digitalen Plattformen automatisiert haben, haben 45 % dies noch nicht getan.
  • 49 % sind in der Lage, einige Bereiche ihrer Lieferkette per Fernzugriff zu steuern, 34 % jedoch nicht.
  • Lediglich 23 % haben ihre Lieferstrategien für die letzte Meile angepasst. Auffallend ist, dass 71 % dies nicht getan haben.

Abgerundet wird das Bild durch den von SAP in Auftrag gegebenen IDC Info Snapshot Business Reimagined: Driving Efficiency and Resiliency. Hier kommt IDC zu ganz ähnlichen Ergebnissen und merkt an:

„Die harte Realität sieht so aus, dass Unternehmen ihre Lieferketten regelmäßig neu justieren müssen, weil kleine und große Störungen dies erfordern. Nur so können die Unternehmen auf neue Nachfrageverschiebungen reagieren und die Herausforderungen der Lieferkette bewältigen. Zudem haben mittelständische Unternehmen oft auch mehr Glieder in ihrer globalen Lieferkette als ihre größeren Kontrahenten. … Doch je mehr Glieder in einer Kette beteiligt sind, desto anfälliger sind sie für Störungen. Transparenz entlang der gesamten Logistik ist heute wichtiger denn je, um Flexibilität und Unternehmenswachstum zu gewährleisten.“

Bereits vor der Corona-Krise stellte das Marktforschungsinstitut Oxford Economics fest:

„Unternehmen mit konsequenteren Strategien – insbesondere bezüglich Kundenorientierung, Transparenz, Nachhaltigkeit und Nutzung intelligenter Technologien – sehen Erfolge: Effizienz der Lieferkette, Widerstandsfähigkeit und finanzielle Gesamtleistung steigen. Zwar sind in einer globalen Wirtschaft alle Lieferketten anfällig für Risiken, aber durch die Umsetzung klarer strategischer Ziele – unterstützt mit den richtigen Tools und Taktiken, die Risiken und Komplexität mindern – können solche Ereignisse leichter bewältigt werden.“

Supply Chain Management in der Zukunft

Unternehmen und Branchen sind weiterhin dem Risiko von Unterbrechungen der globalen Lieferketten ausgesetzt. Dennoch haben viele Firmen die Chance noch nicht ergriffen, moderne digitale Technologie zu nutzen und ihre Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Dass es im nächsten Jahr zu weiteren Störungen der Logistikketten kommen wird, davon gehen die Führungskräfte aus. Deshalb ist es an der Zeit, dass sie ihre Lieferketten digitalisieren und für höhere Transparenz sowie bessere Planungsfunktionen sorgen. So lässt sich die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Störungen minimieren.


Franz Hero ist Entwicklungsleiter für SAP Digital Supply Chain.