Innovationsgeist in Netzwerken nutzen: Alexa Gorman im Porträt

Alexa Gorman ist Senior Vice President und Global Head of SAP.iO Foundries und Intrapreneurship. Seit dem 1. Mai 2021 ist sie für die Aktivitäten der SAP in Bezug auf Start-up-Unternehmen und Intrapreneurship verantwortlich. Das Handelsblatt stellte Gorman dieses Jahr als eine der „100 Frauen, die Deutschland bewegen“ vor.

Nachdem Gorman viele Jahre in den Bereichen Geschäftsentwicklung und Strategie gearbeitet hatte, übernahm sie Anfang Mai die Verantwortung für die Startup-Acceleration-Programme sowie das Intrapreneurship-Team der SAP, das ambitionierte Innovationstreiber innerhalb der SAP unterstützt.

Vorteile für Kunden, Start-ups und die SAP

Die SAP.iO Foundries wurden 2017 als strategische Geschäftseinheit ins Leben gerufen. „Wir haben gesehen, wie wichtig es ist, verstärkt mit Start-up-Unternehmen zusammenzuarbeiten, da Innovationen von Start-ups für unsere Kunden bei ihrer digitalen Transformation immer wichtiger werden“, so Gorman. „Mit den SAP.iO Foundries stellen wir ihnen die Innovationskraft ausgewählter Start-ups zur Verfügung, deren Lösungen sich nahtlos in SAP-Lösungen integrieren lassen. Und während sich die Start-ups in einem frühen Stadium befinden, führen wir umfangreiche Due-Diligence-Prüfungen durch, um sicherzustellen, dass sie langfristig tragfähige Partner der SAP sein werden.“

Photo credit: Steven Lüdtke.

Gorman trat dem Team 2017 bei und richtete die SAP.iO Foundry Berlin ein, die erste ihrer Art in Europa. Die SAP.iO Foundries, die heute an zehn Standorten vertreten sind, sind das globale Netzwerk für erstklassige Start-up-Programme der SAP. Dazu gehören Accelerator-Programme, mit deren Hilfe Start-up-Unternehmen innovative Softwarelösungen entwickeln und skalieren können, die SAP-Kunden Mehrwert bringen.

In den letzten vier Jahren arbeiteten Gorman und ihr Team mit über 330 jungen Start-ups zusammen, um sie in das SAP-Partnernetz zu integrieren und sie zur nächsten Generation von SAP-Partnern zu machen.

„Wir ermutigen die Start-up-Unternehmen, SAP-Technologie zu nutzen oder zu integrieren und unterstützen sie dabei“, erklärt sie. „Im Gegenzug bekommen die Start-ups die Möglichkeit, schneller zu skalieren, indem sie Zugang zu unseren Kunden und umgehend Support erhalten, um SAP-Partner zu werden. So stellen wir sicher, dass unsere Kunden auf die neuesten und besten Innovationen von Start-ups zurückgreifen können, die den Return on Investment in SAP-Software steigern.“

Die SAP.iO Foundries erhielten zahlreiche Auszeichnungen und führten zuletzt eine Rangliste von GlassDollar an. Dabei wurde die Zusammenarbeit von Unternehmen mit Start-ups bewertet.

Derzeit werden im SAP Store 135 Lösungen von Start-up-Unternehmen angeboten. „Jede Woche kommen neue Lösungen von Start-ups in den SAP Store, wo sie dann den Vertriebsteams der SAP und unseren Kunden zur Verfügung stehen“, so Gorman.

Seit Herbst 2021 gelten zwei Start-ups aus ehemaligen SAP.iO-Kohorten als Einhörner:

  • iO investierte 2017 in BigID. Im Zuge dieser Partnerschaft entwickelte sich BigID zu einem SAP-Solution-Extensions-Partner mit vielen gemeinsamen Kunden. BigID ist eine Engine für Datenkorrelation auf der Grundlage von maschinellem Lernen, die die Datenermittlung automatisiert. Zudem verwaltet sie Richtlinien für Governance, Risk and Compliance (GCR) und Enterprise Information Management (EIM).
  • Airwallex war 2020 Teil der SAP.iO Foundry in Singapur. Die Lösung des Start-ups bietet Unternehmen jeder Größe eine moderne Technologieinfrastruktur. Dadurch können sie international agieren – unabhängig von den Herausforderungen des derzeitigen globalen Finanzsystems.

Grundsätze und Ziele für die SAP.iO Foundries und das SAP-Intrapreneurship-Programm

Gorman leitete die SAP.iO Foundry Berlin und danach bis Ende April 2021 SAP.iO EMEA. In ihrer neuen Rolle wird sie für sämtliche globalen Start-up-Aktivitäten der SAP sowie für das SAP-Intrapreneurship-Programm verantwortlich sein.

„Diese beiden Einheiten sind zwei Seiten derselben Medaille, da beide eng mit Unternehmern zusammenarbeiten und Ideen oder Lösungen skalieren – die Foundries mit externen Start-ups, das Intrapreneurship-Team mit internen Mitarbeitenden der SAP und deren Start-up-Ideen“, erläutert sie. „Es gibt tatsächlich viele Synergien zwischen den beiden Teams und wir sind gerade dabei, diese weiterzuentwickeln und bestmöglich zu nutzen.“

Das Intrapreneurship-Team hat gerade sein Acceleration-Programm mit über 25 internen Teams gestartet, die ihre Ideen für Minimalprodukte (Minimum Viable Products) entwickeln, um in Q4 die Finanzierung dafür zu sichern – ganz wie bei einem externem Start-up-Unternehmen. Sobald ein Team eine Erstinvestition erhält, wechselt es in das SAP.iO Venture Studio, wo es sich voll und ganz auf die Entwicklung seines Start-ups konzentrieren kann. „Obwohl unsere Herangehensweise an Intrapreneurship als mustergültig gilt, sind wir innerhalb des Teams dennoch gerade dabei zu prüfen, wie wir Intrapreneurship auf die nächste Stufe bringen können.“

Gorman hält die Skalierung ihrer aktuellen Aktivitäten für die größte Herausforderung der nahen Zukunft. „Unsere Einheit entwickelt sich momentan innerhalb der SAP vom „Start-up“ zum „Scale-up“, berichtet sie. „In den ersten Jahren ging es darum, unsere Marke und unser Curriculum zu etablieren. Da das Interesse stark gestiegen ist, müssen wir jetzt die Prozesse neu definieren, um unsere Aktivitäten über mehr Regionen hinweg ausweiten zu können.“

Eine internationale Karriere

Gorman hat deutsch-irische Wurzeln. Seit ihrem vierten Lebensjahr lebte sie in St. Lucia und zog mit 12 Jahren nach Irland. Mit 16 Jahren kam sie nach Deutschland, um sich auf ihr Abitur vorzubereiten. Sie hat ein Diplom in Betriebswirtschaftslehre von der Universität Lyon und spricht neben Englisch und Deutsch auch Französisch. Ein Semester lang studierte sie zudem in Salamanca, Spanien.

Gorman kam 1999 frisch von der Universität zur SAP. Sie begann ihre berufliche Laufbahn mit einer Rolle im Bereich Business Development und Marketing bei IBU Retail. „Dann zog ich nach New York, wo ich das Marketing für SAP Retail in Nordamerika leitete. 2002 wechselte ich nach Paris und schloss mich dem Corporate-Strategy-Team an, wo ich 12 Jahre lang verschiedene Führungspositionen ausübte.“ Anschließend trat sie dem SAP-Anywhere-Team bei, um sich auf strategische Partnerschaften und Strategie zu konzentrieren.

Nachdem Gorman von 2014 bis 2017 mit SAP Anywhere Erfahrung bei der Gründung eines Start-ups gesammelt hatte, war sie hocherfreut, als ihr 2017 die Position als Head of SAP.iO Foundry Berlin angeboten wurde.

„Es war eine fantastische Rolle“, betont sie. „Es ist wirklich bereichernd täglich mit Menschen zusammenzuarbeiten, die mit Leidenschaft bei der Existenzgründung sind und diese mit SAP-Kunden zusammenzubringen sowie ihnen dabei zu helfen sich im SAP-Partnernetz zurechtzufinden und ihr Geschäft auszuweiten.“

Förderung vielfältiger Talente

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist laut Gorman ein entscheidender Vorteil des Arbeitens bei der SAP: „Viele Unternehmen behaupten, dass sie ein Umfeld schaffen, in dem sich Familie und Karriere unter einen Hut bringen lassen, aber die SAP lässt Worten Taten folgen – und ich möchte, dass junge Frauen die Möglichkeiten erkennen, die unser Unternehmen ihnen bietet. Man muss gut organisiert sein, wissen, was man will und die Unterstützung in der Partnerschaft – aber man muss sich nicht für das eine oder andere entscheiden.“

Etwa zwei Drittel in Gormans Team bei der SAP sind Frauen. Die Abteilung hat Büros auf der ganzen Welt sowie Teammitglieder aus insgesamt 20 Ländern. „Wir betrachten uns gerne als das vielfältigste Team in der Unternehmenswelt, das mit Start-ups zusammenarbeitet“, bekräftigt Gorman. „In unserem Team leben wir die Vielfalt, die wir für die SAP Foundries anstreben und liefern herausragende Ergebnisse.“

Mit dem Programm SAP.iO NoBoundaries haben es sich die SAP.iO Foundries 2019 zum Ziel gesetzt, die Zahl der in der Vergangenheit unterrepräsentierten Gründerinnen und Gründer in ihren Programmen zu erhöhen. „Wir haben diese Zahl jedes Jahr gesteigert, sodass wir jetzt bei fast 50 Prozent liegen“, sagt Gorman. „Wir achten darauf, die Netzwerke zu nutzen in denen diese Gründerinnen und Gründer vertreten sind, damit wir uns die Art von Innovation zunutze machen können, die von vielfältigen Teams geschaffen wird – die nachweislich erfolgreichste Art und Weise Innovationen hervorzubringen.“ Auch das Intrapreneurship-Programm stand dieses Jahr im Fokus, wobei Vorbildern besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt wurden.

Gormans Begeisterung für die Zusammenarbeit mit Gründerinnen sowie Unternehmerinnen und Unternehmern mit vielfältigen Hintergründen veranlasste sie dazu, sich mit einigen gleichgesinnten Geschäftsfrauen in Deutschland zusammenzuschließen, um das Non-Profit-Netzwerk encourageventures ins Leben zu rufen. Der Verein setzt sich dafür ein, Vielfalt im Start-up- und Investitionsbereich zu fördern.

„Anfangs waren wir zu zwölft. Sechs Monate lang waren wir an Wochenenden und Abenden damit beschäftigt encourageventures zu starten“, berichtet sie. „Wir haben eine Plattform geschaffen, die weibliche Unternehmensengel und Mentorinnen mit von Frauen gegründeten Unternehmen zusammenbringt.“ Weniger als 90 Tage nach der Gründung hatten sich bereits über 260 Start-ups an das Netzwerk gewandt. Außerdem hatten sich mehr als 300 erfahrene weibliche Führungskräfte und Professoren der Organisation angeschlossen, um Networking zu betreiben, Erfahrungen auszutauschen und Investitionen zu tätigen.

Für Gorman ist dieser Aspekt ihrer Arbeit besonders lohnend. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Vielfalt sowie verschiedene Hintergründe und Meinungen zu hervorragenden Ergebnissen führen und möchte dies weiter fördern. Ich würde das als eine wichtige Motivation für meine Arbeit sowohl innerhalb als auch außerhalb der SAP bezeichnen.“