Umgestaltung der Lieferketten im Sinne der Kreislaufwirtschaft

Plastiksteuer im Vereinigten Königreich verändert globale Lieferketten und stärkt die Kreislaufwirtschaft

Die „UK Plastic Packaging Tax“ (UK PPT) wurde nicht eingeführt, um die Einnahmen zu erhöhen. Die Steuer ist der Beginn eines Wandels, der Investitionen in die Kreislaufwirtschaft anregt und die globalen Lieferketten verändert.

„Als erste Plastiksteuer, die weltweit eingeführt wurde, ist die UK PPT der Anfang einer globalen Bewegung, die Verursacherprinzip und die erweiterte Herstellerverantwortung adressiert,“ meint Stephen Jamieson, globaler Leiter des Bereichs Circular Economy Solutions bei SAP. „Die Regierung schafft einen Anreiz für den Einsatz nachhaltiger Materialien und gleichzeitig erhöht sie den Marktwert von recycelbarem Kunststoff. Dadurch fördert sie eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft, die globale Auswirkungen haben wird.“

Die Forscher von Forrester haben vielleicht deshalb weniger Greenwashing unter B2C-Marketingexperten und mutigere Entscheidungen prognostiziert, bei denen ESG-Aspekte, wie Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, stärker berücksichtigt werden. Seit 2021 ist die Zahl der CEOs, die ökologische Nachhaltigkeit als eine der wichtigsten Unternehmensprioritäten aufführen, um 303 Prozent gestiegen, wie Forscher von Gartner ermittelten. Analysten der IDC schätzen, dass 60 Prozent der Forbes-Global-2000-Unternehmen bis nächstes Jahr ökologische Nachhaltigkeit als Vorgabe in ihre Geschäftskennzahlen einbinden werden.

Erkenntnisse aus zirkulären Lieferketten

Die Erhebung von Steuern als rein finanzielles Instrument hat Tradition. In ganz Europa werden ähnliche Rechtsvorschriften erwartet. Einzelne Länder wie Italien und Spanien haben ebenfalls eine Steuer auf Kunststoffverpackungen beschlossen. Die UK PPT unterscheidet sich darin, dass sie nicht auf ein bestimmtes Material zu einem gewissen Zeitpunkt abzielt. Die Unternehmen müssen dokumentieren, woher das Material stammt und wo es landet, lange nachdem es die Produktion verlassen hat.

„Woher stammen die Produktmaterialien? Wo und wie wurden sie hergestellt und vertrieben? Was passiert mit diesem Produkt, wenn es in der gesamten Lieferkette verkauft wird und nachdem der Endkunde es verwendet hat?“ fragte Jamieson. „Das sind die kritischen Fragen, die Mitarbeitende beantworten müssen, wenn sie Steuerrisiken in Betracht ziehen. Das erfordert Einblicke in die gesamte Lieferkette.“

Kreislaufwirtschaft verändert Geschäftsverhalten

Wenn diese Vorschriften in Kraft treten, werden die Steuerspezialisten sicherlich mit Führungskräften aller Unternehmensbereiche zusammenarbeiten, zum Beispiel Produktdesign, Beschaffung, Betrieb, Supply Chain Management und Nachhaltigkeit. Um die Verantwortung des Unternehmens zu verstehen und das Risiko zu verringern, müssen sie kooperieren.

„Wir beobachten bereits Verhaltensänderungen hin zu einer verstärkten unternehmensweiten Zusammenarbeit“, betonte Jamieson. „Zunächst werden Unternehmen ihre Berechnungen transparent machen, um die Vorschriften im Rahmen der neuen Plastiksteuer einzuhalten. Wie Unternehmen sich aufstellen, um diese steuerliche Mehrbelastung möglichst gering zu halten, wird künftig ein wichtiges Erfolgskriterium sein.“

Nachhaltigkeit als Teil des Designprozesses

Für Führungskräfte ist die Plastiksteuer auf vorhandene Produkte ein wichtiges Thema. Deshalb richten sie das Design, die Produktion und Lieferpläne unmittelbar und langfristig neu aus. Um beispielsweise die Steuerpflicht für ein einzelnes Produkt zu berechnen, müssen Teams unternehmensweit jede Kunststoffkomponente der Verpackung kennen, wissen wie sich recyceltes Material auf die Steuer auswirkt und auch die internen und externen Lieferketten berücksichtigen. Und sie müssen auch mit weiteren Vorschriften rechnen.

„Wir haben die Lösung SAP Responsible Design and Production entwickelt, um Unternehmen dabei zu unterstützen, die Informationen in ihren ERP-Systemen zu verknüpfen, um gesetzliche Anforderungen und freiwillige Standards rund um das Thema Nachhaltigkeit zu erfüllen“, erläuterte Jamieson. „Sie können ihre Leistung überwachen und die Entwicklung von Verpackungs- und Produktionsstrategien vorausschauend planen – von der Fabrik über die Verbraucher bis hin zur Gesellschaft im allgemeinen, um den sich wandelnden länderspezifischen Vorgaben gerecht zu werden.“

Viele Unternehmen, mit denen Jamieson Gespräche führt, sind nicht unbedingt im Vereinigten Königreich ansässig, aber sie verkaufen Waren in diese Länder. Die Steuer betrifft nicht nur den Lebensmittel- und Getränkesektor, sondern auch andere Branchen des produzierenden Gewerbes – von Automobil und Hightech bis hin zu Mode und anderen Konsumgütern.

Wandel zur Kreislaufwirtschaft

Die Vereinten Nationen haben ein Dekret für ein globales Plastikmüll-Abkommen erlassen. Sie rufen Verantwortliche aus dem öffentlichen und privaten Sektor dazu auf, bezüglich Design, Produktion und Gebrauch von Plastikprodukten umzudenken. Natürlich ist eine nachhaltige Verhaltensänderung ein wesentlicher Bestandteil dieses Mandats. Jamieson sah Möglichkeiten für führende Unternehmen, den sich wandelnden Anforderungen der Verbraucher in Bezug auf Nachhaltigkeit gerecht zu werden und so die Kreislaufwirtschaft zu stärken.

„Vielleicht müssen Unternehmen irgendwann die Plastiksteuerpflicht eines Produkts auf der Rechnung des Kunden angeben“, sagte er. „Solch ein Maß an Kostentransparenz würde das Verbraucherbewusstsein für nachhaltige Produkte erhöhen und so die Geschäftspraktiken im Laufe der Zeit fördern.“

40 Prozent der Unternehmen werden, laut IDC-Analysten,verantwortungsvolle und nachhaltige Beschaffungsrichtlinien festlegen und auch Lösungen für Revision und Rechenschaftspflicht einführen. Diese erfordern einen Nachweis der Compliance, um bis zum nächsten Jahr Vertrauen zwischen Verbrauchern und Stakeholdern aufzubauen. Angesichts der weltweiten Bewegung, eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren, kann dies nicht schnell genug gehen.


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