Die Kreislaufwirtschaft hilft unter anderem bei der Reduktion von Abfall und Recycling

Von der Linear- zur Kreislaufwirtschaft: Umdenken erforderlich

Seit einigen Jahren hat sich die Wirtschaftsform der Kreislaufwirtschaft als wichtigste Triebkraft für die Umgestaltung von Unternehmen herauskristallisiert. Die veränderte Einstellung von Konsumenten und Kunden zwingt Unternehmen zum Umdenken: Der Trend geht weg von der Linearwirtschaft hin zur Kreislaufwirtschaft.

Vereinfacht formuliert setzt die Kreislaufwirtschaft die Implementierung dynamischer Systeme voraus, bei denen es keinen spezifischen Endpunkt für Geschäftsprozesse entlang der Wertschöpfungskette gibt. Die Kreislaufwirtschaft stellt für Unternehmen und Einzelhändler eine Möglichkeit dar, verantwortungsvoll und nachhaltig zu produzieren und zu verkaufen. Kunden nehmen die Kreislaufwirtschaft ebenfalls zweckmäßig, nachhaltig und zukunftsorientiert wahr.

Interesse von Konsumenten an der Kreislaufwirtschaft steigt

Zweckmäßig bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein Produkt durch Recycling, Verleih oder Wiederverkauf erneut in die Liefer- und Wertschöpfungskette eingebracht wird. Für Unternehmen, die Produkte des alltäglichen Bedarfs anbieten, wie Kleidung, Lebensmittel, Elektronik oder Flüge, stellen ganzheitliche Lösungen für Handel, Vertrieb und Produktion einen besonderen Anreiz dar.

Nach aktuellen Erhebungen sind zurzeit nur neun Prozent der Wirtschaft kreislauforientiert. Die Chancen der restlichen 91 Prozent von einer Umstellung auf eine Kreislaufwirtschaft zu profitieren, werden sehr hoch eingeschätzt. Nach Meinung einiger Experten wird dieser Wandel von einer linearorientierten Wirtschaft zur Kreislaufwirtschaft eine richtungsweisende Transformation des aktuellen Wirtschaftssystems auslösen, vergleichbar mit den Veränderungen durch die Industrielle Revolution.

Unternehmen, die jetzt in diesen Prozess der Kreislaufwirtschaft investieren, werden Game Changer-Positionen einnehmen und ganze Branchen verändern.

Die Kreislaufwirtschaft als größte wirtschaftliche Transformation seit der Industriellen Revolution

Durch innovative technologische Lösungen wird der Übergang zur globalen Kreislaufwirtschaft erleichtert. Schon jetzt sind globale Systemlösungen in der Lage, nachhaltige und profitable Ergebnisse zu liefern. Umfragen unter weltweit führenden Unternehmen der Konsumgüterindustrie legen nahe, dass der Bereich des Change Managements beim Wandel zum Kreislaufmodell Herausforderungen bereit hält, die strategische Lösungen erfordern.

Diese fünf grundlegenden Änderungen sind notwendig, um die Balance zwischen menschlichem und unternehmerischem Ökosystem innerhalb einer Kreislaufwirtschaft herzustellen und zu garantieren:

  • Die Basis einer linearen Wirtschaft fußt auf spezialisierten Arbeitskräften, deren Aufgaben in überschaubare Komponenten aufgeteilt sind. Die Kreislaufwirtschaft hingegen erfordert von jedem einzelnen Mitarbeiter eine ganzheitliche Betrachtungsweise seiner Position im Unternehmen.
  • Die Linearwirtschaft basiert auf der knappen Verfügbarkeit einer Ware mit hoher Nachfrage auf dem Markt. In einer Kreislaufwirtschaft liegt der Schwerpunkt aber auf ständiger Innovation. Dadurch wird jede denkbare Quelle zur Lösung eines Problems und zum Erfüllen der Nachfrage geprüft.
  • Die lineare Wirtschaft basiert hauptsächlich auf Wettbewerb, die Kreislaufwirtschaft auf Zusammenarbeit.
  • Die Leistungsindikatoren der Linearwirtschaft basieren auf quantitativen Messgrößen, während sich die Kreislaufwirtschaft auf qualitative Daten stützt, die an verschiedenen Punkten im Ökosystem erfasst werden.
  • Teams in der linearen Wirtschaft arbeiten vor allem in einer hierarchischen top-down Struktur. Teams innerhalb der Kreislaufwirtschaft weisen hingegen eine Matrixstruktur auf. Daraus folgt, dass unterschiedliche Teamstrukturen eine andere Art der Führung erfordern als traditionelle Modelle bieten.

Beispiele aus der Kreislaufwirtschaft:

ASICS – Bewertung des Produktlebenszyklus zur Reduzierung der C02-Emissionen:

Mit Hilfe von Lebenszyklusanalysen (LCAs) untersucht ASICS die ökologischen und sozialen Auswirkungen seiner Produkte. Von der Materialbeschaffung bis hin zum Recycling oder der Entsorgung wird jede Phase des Lebenszyklus beachtet. Die Ergebnisse dieser Bewertungen werden dann zur Verbesserung des Produktdesigns und für die Produktentwicklung verwendet. 2018 stellte ASICS beispielsweise eine Ökobilanz für seine GEL-KAYANOTM 25 Laufschuhe auf und verglich die Ergebnisse mit einem Vorgängermodell. Der Vergleich ergab, dass ASICS die CO2-Emissionen pro Schuhpaar um rund 24 Prozent reduzieren konnte.

Pentland Brands – Reduzierung von Mikrofasern im Herstellungsprozess:

Pentland Brands setzt sich schon seit 2017 kritisch mit dem Thema Mikrofasern auseinander. Die Berghaus-Fleece-Kollektion AW18 wird beispielsweise aus Polartec-Gewebe hergestellt, das auch aus recycelten Flaschen gewonnen wird. Für die Herstellung dieser Fleece-Stoffe werden Millionen Plastikflaschen verwendet, die ansonsten auf Mülldeponien landen würden. Das Speedo H20-Sortiment besteht aus recyceltem Nylon, das zum Teil aus alten, in den Meeren treibenden Fischernetzen hergestellt wird, die für Fische eine Gefahr darstellen.

doTERRA – Co-Impact Sourcing:

doTERRA arbeitet mit lokalen Pflanzenzüchtern zur Produktion hochwertiger Öle. In über 40 Ländern auf der ganzen Welt werden diese durch Co-Impact Sourcing zusammengestellt. Dieses Modell sieht langfristige und für beide Seiten vorteilhafte Lieferanten-Partnerschaften vor: qualifizierte Landwirte betreuen Pflanzen und das Anbauumfeld. Im Gegenzug bietet doTERRA Arbeitsplätze mit fairer Bezahlung, die zu einer stärkeren lokalen Wirtschaft und gesünderen sowie stabileren Lieferketten führt. Statt große Grundstücke zu kaufen, um Öle in Massenproduktion herzustellen, legt doTERRA Wert auf das Fachwissen der lokalen Landwirte, von denen viele schon seit Generationen ätherische Ölpflanzen anbauen.

TOUS – Schmuckstücken ein zweites Leben schenken:

TOUS ist seit 1920 in der Schmuckbranche tätig und versteht sich darin, Schmuckstücken ein zweites Leben durch Restaurierung, Wiederverwendung und Recycling zu schenken. 40 Prozent der Kollektionen der Marke werden in einer Werkstatt hergestellt, in der auf Galvanoplastik und Mikrogießen spezialisierte Handwerker arbeiten. TOUS arbeitet mit einer Abfallwirtschaftspolitik, die zu einer effizienten Bewirtschaftung durch Recycling und der Rückgewinnung von Metallen sowie Rohstoffen geführt hat. Das Werk verfügt zudem über eine Kläranlage, die Auswirkungen verunreinigter Abwässer auf die Umwelt nahezu vollständig verhindern soll.

Levis – Zusammenarbeit und Austausch von Best Practices mit der Industrie:

Levis engagiert sich intensiv in der Herstellung von langlebiger und robuster Kleidung mit dem Fokus, Umweltbelastungen zu reduzieren. Das Unternehmen teilt beispielsweise Daten mit anderen Unternehmen über das Einsparpotenzial von Wasser und wie bei der Produktion Abfall vermieden werden kann.

Es gibt viele weitere Beispiele für eine gelungene Kreislaufwirtschaft und für Firmen, die zielgerichtet darauf hinarbeiten. Firmen, die für den Wandel zum Kreislaufwirtschaftsunternehmen offen sind, werden in den kommenden Jahrzehnten den Handel mitgestalten.