ERGO baut mit SAP S/4HANA Insurance ein Ökosystem rund um Mobilität auf

Kunden, die eine Versicherung gleich mit dem Auto kaufen, Kunden, die eine integrierte Mobilitätsabsicherung wollen oder Kunden, die nur einen begrenzten Zeitraum versichern – Mobilität ist im Wandel. ERGO reagiert: Der Konzern baut ein Mobilitäts-Geschäftsmodell auf Basis von SAP S/4HANA Insurance.

Das Auto ist nicht mehr „des Deutschen liebstes Kind“. Mit dieser Aussage skizzieren Trend-Forscher gern den Wertewandel. Der Versicherungskonzern ERGO weiß es genauer. Auf Basis von Marktanalysen lässt sich sagen: Es muss nicht mehr zwingend das eigene Auto sein, aber „mobil sein“ wollen die Verbraucher nach wie vor. Die intelligente Nutzung etabliert sich als Alternative zum Besitz. Weil dieser Wandel im Konsumverhalten massive Folgen für die Assekuranzen hat, entschied sich die ERGO für den Aufbau der ERGO Mobility Solutions (EMS), einer Spezialisteneinheit an der Schnittstelle zwischen Mobilitäts- und Versicherungsindustrie. EMS setzt wiederum auf eine ganzheitliche SAP IT-Plattformlösung, losgelöst von über Jahre gewachsenen Altsystemen und auf der Grundlage von SAP S/4HANA Insurance.

Die EMS entstand im Januar 2017 mit dem Auftrag, die ERGO durch die Herausforderungen eines sich schnell wandelnden Mobilitätsmarktes zu leiten. Schlagworte wie „Connected Car“ sind hier Alltag, bei EMS spricht man bereits vom Mobility Ecosystem. Autobauer heißen „Mobility Provider“ und sind ebenso Teil des Ökosystems wie Car- und Ride-Sharing Services, E-Mobility Angebote, Machine Learning und vieles mehr.

Wie aber setzt man das Wissen um diese Veränderungen in die Praxis um? Dieses Projekt startete EMS im Dezember 2017. Im März 2019 ging die neue SAP IT-Plattform live. Erste Partner sind Volvo und NRW-Garage. „Volvo zählt zu den Ersten, die eine Art „Auto als Abo“ anbieten“, weiß André Quadt, Head of Operations/IT bei der EMS. Ziel der neuen Plattform ist es, die gesamte Wertschöpfungskette für alle Beteiligten effizienter zu gestalten und den Endverbrauchern ein hochwertiges Kundenerlebnis zu bieten.

SAP S/4HANA Insurance: Kernanforderungen flexibel abbilden

„Als neu gegründetes Geschäftsfeld hatten wir den Vorteil einer SAP S/4HANA Greenfield-Implementierung“, sagt Michael Müller, Managing Director Strategy, Finance and Operations/IT bei EMS. Für die Implementierung wurde das Beratungsunternehmen msg Systems an Bord geholt. Die neue Plattform stellt den Markterfolg durch innovative Lösungen in den Kernfeldern der Mobilitätsversicherung sicher. Auf diese Weise wird ein klarer Nutzenvorteil für Kunden, Autohäuser und Hersteller realisiert.

Ein modernes, cloud-basiertes Front-End erleichtert den Verkaufsprozess sowohl am Arbeitsplatz des Verkäufers im Autohaus als auch für die Spezialisten im Call-Center. Die Beitragskalkution erfolgt zentral über einen Web-Service. So werden Preisabweichungen zwischen Angebot und Policen ausgeschlossen und Sonderpreise, wie etwa Zuschüsse durch den Autohersteller, leicht berücksichtigt. Im Schadenfall erhalten Kunden für die Reparatur eine direkte Vermittlung in ihre „Stammwerkstatt“. So wickeln die gewohnten Ansprechpartner den Schadenfall ab.

Für ein aussagekräftiges Performance Management steht mit der SAP Analystics Cloud zur Verfügung: das flexible Werkzeug beantwortet Ad-hoc Reportings und Echtzeit-Analysen. Durch komplexe Zugriffregelungen werden nur Daten ausgewertet, die den Datenschutz erfüllen. Moderne Schnittstellen auf Basis von Web-Services betten die Kernplattform in die Ökosysteme der Mobilitätspartner ein und verbinden sie mit den anderen internen und externen Systemen. So lassen sich etwa Fahrzeugkonfigurationsdaten aus Händlersystemen zur Verkürzung des Versicherungsabschlusses wiederverwenden oder externe Dienstleisteranwendungen problemlos anbinden.

Sicherheit in der Protected Zone, Flexibilität am Front End

Zunächst waren diverse Standard-Software-Anbieter im Gespräch. Während des Proof-of-Concept schmolz das Feld auf zwei Anbieter. Gründe für die SAP S/4HANA Insurance-Plattform sind für Quadt neben der Leistungsfähigkeit der Module vor allem die Bewährtheit des Systems. Die Lösung ist „gut modularisiert und passt für den deutschen Markt, wobei sich die ERGO nicht auf den Heimatmarkt beschränkt sieht“, erklärt er. Konkret im Alltag der neuen Plattform betont EMS vor allem zwei Punkte: Sicherheit und Stabilität in der Protected Zone des Back-End-Kernsystems und Flexibilität am Front-End. Der Autoverkäufer am „Point-of-Sale“ muss auf jeden Kunden einzeln eingehen, dafür braucht er die richtigen Tools. Verständliche Produkte, schlanke Prozesse und intuitive Bedienbarkeit sind entscheidend.

Stichwort Sicherheit: Schließen sich Unternehmen mit anderen Playern in einem Ökosystem zusammen, berührt das immer auch Fragen von Vertrauen, Datenschutz und IT-Security. Die ERGO als große Versicherung ist hier besonders gefragt – denn der sichere Umgang mit sensiblen Kundendaten hat höchste Priorität. „Unsere Richtlinien für Governance, Risk und Compliance sind hoch“, sagt Quadt.

Unterschiedliche Mobilitätsformen reibungslos vernetzt

Für ein erstes Fazit ist es nach den wenigen Monaten noch zu früh. Ob der ERGO-Konzern die neue IT-Plattform als Erfolg verbucht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen leicht messbare Kriterien wie die IT-Betriebskostenquote, Prozessdurchlaufzeiten oder die sogenannte Dunkelverarbeitungsquote (der Anteil durchgängig automatisierter Abläufe, bei denen kein Sachbearbeiter mehr eingreifen muss). Weniger leicht messbar, aber ebenso wichtig, ist die Zufriedenheit der Kunden. Für sie sollen die Prozesse vom Versicherungsantrag über die Vertragsbearbeitung bis zum Schaden-Management so einfach, schnell und transparent wie möglich ablaufen.

Müller weiß, dass dieser Markt im Wandel bleibt. Mit der neuen Plattform-Lösung kann die ERGO nun erstmals in dieser Weise Kfz-Hersteller oder neue Mobilitätsanbieter bedienen. Auch das Verbraucherverhalten ändert sich: wer nicht mehr ständig den eigenen Wagen vor der Tür stehen hat, braucht für spezielle Risiken nur noch einige Monate oder Wochen im Jahr eine Versicherung. „Insurance-on-Demand“ oder „Usage-based products“ sind die künftigen Modelle, die eine skalierbare, flexible Plattform abbilden muss. Und draußen stehen die nächsten Innovationen schon in den Startlöchern. „Als Nächstes stehen innovative Mobility-as-a-service Angebote auf der Agenda“, überlegt Müller, „und von der zunehmenden Vernetzung der Mobilitätsformen bis hin zur Abdeckung der „last mile“ will ich noch gar nicht reden!“

Sie haben noch weiteren Informationsbedarf? Dann schauen Sie sich hier die Aufzeichnung des Live-Webinar an,  in dem André Quadt, Head of Operations/IT der ERGO Mobility Ventures AG über die Einführung von SAP S/4HANA Insurance und seine Erfahrungen berichtet!