Ist 5G bereit für das Internet der Dinge?

Endlich ist 5G da. In den USA, Großbritannien und Südkorea wurden in diesem Jahr erste 5G-Netze in Betrieb genommen. Es ist die erste Mobilfunkgeneration, die unter Berücksichtigung von IoT-Anwendungen entwickelt wurde und wird mittel- und langfristig viel verändern. Aber welche Vorteile hat der neue Standard für diejenigen, die gerade ein IoT-Projekt planen? Ist 5G wirklich für sie interessant?

Die Vorteile von 5G für das Internet der Dinge

Mit dem neuen Mobilfunkstandard werden Geschwindigkeit und Kapazität ausgebaut – ein großer Vorteil für Verbraucheranwendungen. Weniger relevant ist dies für das Internet der Dinge , denn dort kommen zwar viele Geräte zum Einsatz, doch die Sensordatensätze, die übertragen werden, sind meist eher klein. Theoretisch könnte die zusätzliche Kapazität ein Segen für das Internet der Dinge sein. 5G ermöglicht eine viel höhere Gerätedichte pro Flächeneinheit. Doch Anwendungsszenarios, in denen die Dichte zu hoch für die bestehenden Netze ist, findet man nur selten.

Den größten Gewinn stellt der geringere Stromverbrauch dar. Mit der Aussage, 5G wurde unter Berücksichtigung des Internet der Dinge entwickelt, ist folgendes gemeint. Die Entwicklung der bisherigen Mobilfunktechnologien beruhte auf der Annahme, dass diese hauptsächlich mit akkubetriebenen Mobiltelefonen genutzt würden, die einmal täglich aufgeladen würden. Und bei jeder neuen Mobilfunkgeneration wurde mehr Strom verbraucht als bei der vorherigen. 5G ist optimiert für Geräte, die kleine Datenmengen senden. Der sogenannte Protokoll-Overhead, also die Informationen, die für jedes Datenpaket zusätzlich übertragen werden müssen, wird mit 5G deutlich reduziert.

Ein großer Vorteil liegt also im geringeren Stromverbrauch, denn für die Sensoren und Geräte im 5G-Netz bedeutet dies, dass sie mit kleineren Batterien betrieben werden können und dass sich die Laufzeit verlängert. Kleinere Geräte ermöglichen eine flexiblere Nutzung von IoT-Lösungen, denn dank längerer Laufzeiten können sie länger im Außeneinsatz bleiben, ohne dass hierfür eine aufwändige Wartung erforderlich ist.

Alternativen zu 5G für IoT-Szenarien

Ob 5G heute schon für die meisten Szenarien rund um das Internet der Dinge eingesetzt werden kann, muss sich erst noch zeigen. Die 5G-Netze werden zunächst nur lokal begrenzt verfügbar sein. Zu berücksichtigen sind auch die Verfügbarkeit von 5G-kompatiblen Geräten und alle damit verbundenen Systemintegrationsschritte.

Auf 5G zu warten könnte tatsächlich bedeuten, ziemlich lange ausharren zu müssen. Und es stehen derzeit andere Lösungen zur Verfügung, mit denen die meisten der IoT-Probleme gelöst werden können.

Die bemerkenswerteste Lösung ist LoRa, eine Funkübertragungstechnik, die man unter Low Power Wide Area Network (LPWAN) zusammenfasst. LoRa-Netzwerke arbeiten in einem nicht lizenzierten öffentlichen Spektrum. Erstmals entwickelt wurde LoRa im Jahr 2009. Aber erst in den letzten zwölf bis 18 Monaten hat die Technologie eine breite Akzeptanz gefunden. LoRa wurde speziell dafür entwickelt, kleine Datenmengen wie Sensordaten energieeffizient über weite Strecken zu senden.

Aber auch hier gibt es natürlich Einschränkungen. Der Senderadius eines LoRa-Moduls beträgt in ländlichen Gebieten rund zehn Kilometer. Die Technik eignet sich daher eher für Anwendungsfälle mit statischen Geräten, die in einem festgelegten Bereich arbeiten. Öffentliche LoRa-Netze gibt es bereits. Sie stehen aber nur in einigen großen Städten zur Verfügung. Das unterscheidet sie von Mobilfunknetzen, in denen zuverlässige Datenverbindungen zwischen nahezu allen Städten weltweit möglich sind.

Ob diese Technik die Richtige für Sie ist, hängt ganz von den Anforderungen ihres Anwendungsszenarios ab, zum Beispiel Standort, Bandbreite und Sicherheit. Die aktuelle Mobilfunktechnologie wird Ihren Anforderungen vielleicht besser gerecht, wenn Sie sich zunächst mit größeren Akkus zufriedengeben oder eine Kombination von Technologien akzeptieren.

Mit den Technologien, die derzeit verfügbar sind, können die meisten IoT-Anwendungen betrieben werden. Nutzen Sie diese, dann sind Sie gut vorbereitet und können auf 5G umsteigen, sobald die Abdeckung flächendeckender und die Hardware erschwinglicher ist.

Wenn Sie mehr über 5G und andere Konnektivitätsoptionen für IoT-Anwendungen erfahren möchten, lesen Sie das Whitepaper Managing IoT Connectivity for Tomorrow: Growing your connected device business und werden Sie Mitglied der SAP Digital Interconnect Community.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf „IoT for All“ veröffentlicht.


Mirko Benetti

Als Vice President und Vertriebsleiter des Bereichs SAP Digital Interconnect ist Mirko Benetti für die Regionen EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika) und Asien-Pazifik-Japan zuständig. Er arbeitet mit den regionalen Vertriebsteams zusammen, um Kunden bei der Gestaltung ihrer Omnichannel-Strategie zu unterstützen, einer wichtigen Komponente der digitalen Transformation. Dabei spielen die CPaaS-Lösungen (Communication Platform as a Service) von SAP eine wichtige Rolle, weil sie Menschen, Geräte und Unternehmen intelligent miteinander vernetzen. Zuvor war Benetti im Mobilfunkbereich tätig, wo er verschiedene Führungspositionen inne hatte, unter anderem in den Bereichen Presales, Sales und Sales Management. Benetti zeichnet sich vor allem durch sein umfassendes betriebswirtschaftliches, technisches und managementbezogenes Wissen aus.

John Candish

John Candish leitet den Bereich SAP IoT Connect 365 in der Organisation SAP Digital Interconnect. Sein Ziel ist es, die Anbindung von IoT-Geräten weltweit für alle Unternehmen einfacher zu machen. Candish hat sowohl in technischen als auch in betriebswirtschaftlichen Rollen gearbeitet. Vor seiner derzeitigen Funktion war er als globaler Leiter für den mobilen Service SAP IPX 365 zuständig, ebenfalls in der Organisation SAP Digital Interconnect.