Wie man IoT-Projekte erfolgreich angeht – 8 Empfehlungen

Daten durch Sensoren gewinnen, analysieren und gewinnbringend nutzen: Was sich so easy anhört, ist in der Praxis hochkomplex. Wie IoT-Projekte mit der richtigen Herangehensweise dennoch gelingen.

Laut einer aktuellen Studie von Computerwoche und CIO befasst sich jedes zweite deutsche Unternehmen bereits konkret mit dem Thema IoT. Und diese Aktivitäten beschränken sich keineswegs auf wenige Branchen, sondern es gibt im Gegenteil so ziemlich keinen Sektor mehr, in dem der Einsatz von Sensoren unvorstellbar wäre.

Dabei könnten die Einsatzgebiete unterschiedlicher kaum sein: Weinbauern an der Mosel nutzen im Boden vergrabene Sensoren, um Wachstumsbedingungen und Gesundheit ihrer Reben zu überwachen. Und der Düsseldorfer Flughafen kontrolliert mit der gleichen Technologie den Zustand einer Betonbrücke, die deshalb für den Flugbetrieb so wichtig ist, weil über sie täglich 120 Tank-Lkw mit Kerosin rollen müssen.

Beide Beispiele zeigen exemplarisch das Wesen des Internets der Dinge: Es geht – eigentlich immer – darum, komplexe kurzfristige Ereignisse zu überwachen, um die gewonnenen Daten zu längerfristigen Analysen und Trends zu verdichten.

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Neue Geschäftsmodelle dank IoT

Was sich zunächst profan anhört, ist allerdings hochkomplex, komplexer als so ziemlich jedes andere IT-Projekt. Das gilt besonders für die Industrie. Denn natürlich ist es naheliegend, Maschinen und Anlagen aller Art durch Sensoren zu überwachen. Die nutzbringende Auswertung dabei gewonnener Daten ist allerdings oft eine Herkulesaufgabe, weil gerade die Industrie noch immer mit sehr heterogenen Systemen, Protokollen und Datenstandards arbeitet.

Hinzu kommt, dass IoT-Projekte nicht nur Prozesse und Strukturen, sondern auch das Geschäftsmodell verändern (sollen). So ist Kaiserwetter, ein Dienstleister für das technische und kaufmännische Management großer Wind- und Solarparks, durch seine IoT-Lösung „Aristoteles“ auch zu einem Data-as-a-Service (DaaS)-Unternehmen geworden. Für die Umsetzung hatte man die gesamte Produktpalette der SAP Cloud Platform sowie SAP IoT Application Enablement genutzt. Mithilfe der aus den Anlagen gewonnenen und analysierten Daten kann Kaiserwetter jetzt Investoren oder Organisationen wie die Weltbank dabei unterstützen, bessere (im Sinne von risikoärmere) Anlageentscheidungen zu treffen.

Stellt sich also die Frage, wie man ein IoT-Projekt am besten angeht, damit es in überschaubarer Zeit Ergebnisse liefert.

Acht Empfehlungen für IoT-Projekte aus der Praxis

1. Die Sinnfrage stellen: IoT umfasst sowohl vergleichbare, aber im Detail unterschiedliche Technologien als auch verschiedene Maßnahmen zur Prozess- und Geschäftsmodelloptimierung. Die Akteure müssen also entscheiden, was genau sie nutzen wollen. Und vor allem: warum?

Das Projekt braucht also sozusagen ein Geschäftsmodell.

2. Die richtige Plattform auswählen: IoT-Plattformen stellen zentrale Funktionen standardisiert bereit, etwa Datenmanagement und -standardisierung, Connectivity, Schnittstellen oder Sicherheitslösungen.

Es gibt aktuell mehr als 500 solcher Angebote, die in Funktionalität und Preis stark variieren. Welches das Richtige ist, hängt stark vom Geschäftsmodell ab – siehe Punkt 1.

3. Die Organisation nicht überfordern: Gerade beim ersten IoT-Projekt macht es Sinn, auf Standards zu setzen, um mit ihnen eine schnell realisierbare, überschaubare Lösung umzusetzen, anstatt sofort DIE visionäre Innovation anzustreben und die Organisation damit zu überfordern.

4. Sich für den richtigen Partner entscheiden: Passend ist in diesem Fall ein Dienstleister, der vergleichbare Projekte schon gestemmt hat – und die betreffende Branche kennt. An diesem Punkt die falsche Entscheidung zu treffen, kann viel Zeit und Geld kosten.

5. Durch Eigenentwicklungen das Geschäftsmodell erweitern: Gerade IoT-Projekte dienen auch dazu, sich auszuprobieren, das eigene Geschäftsmodell zu verbessern oder zu erweitern, um sich vom Wettbewerb abzusetzen – siehe „Aristoteles“. Dieses Ziel lässt sich ganz ohne Eigenentwicklung kaum erreichen.

6. Einen starken Projektmanager installieren; IoT-Projekte involvieren, wenn nicht das ganze Unternehmen, so doch zumindest mehrere Abteilungen. Deshalb brauchen sie einen Verantwortlichen, der diese Rolle nicht neben seinem eigentlichen Job als Abteilungsleiter oder CIO wahrnimmt, sondern sich ausschließlich dem IoT-Projekt widmet. Und der für diese komplexe, potentiell konfliktträchtige Querschnittsaufgabe ein klares Mandat der Geschäftsführung hat.

7. Mit agilem Ansatz alle ins Boot holen; Widerständen und Ängsten begegnen die Verantwortlichen am besten mit einem agilen Design-Thinking-Ansatz, das heißt mit Workshops, die ein gemeinsames Verstehen und Lernen unterschiedlicher Akteure ermöglichen und Teilergebnisse fortlaufend kommunizieren. So fühlen sich alle eingebunden.

8. Sicherheitsaspekte besonders ernst nehmen: Die Tatsache, dass sich viele Kunden um die Sicherheit ihrer Daten selbst wenig Gedanken machen, solange nur Preis, Funktionsumfang und Nutzerfreundlichkeit stimmen, sollte die Verantwortlichen keinesfalls dazu verleiten, es an diesem Punkt nicht so genau zu nehmen. Denn: Wenn Hacker in IoT-Systeme eindringen, verursachen sie in aller Regel verheerende (Image-)Schäden, die nur äußerst schwer zu reparieren sind.

Eine abschließende Empfehlung: mit etwas Naheliegendem anfangen, das hohe Akzeptanz genießt, dessen Nutzen leicht sichtbar gemacht werden kann. Und dabei den Satz beherzigen – so abgenutzt er ist: Der Weg ist das Ziel.