Wie Laboratoria mexikanische Frauen bei der Jobsuche in der Technologiebranche unterstützt

Mexiko könnte sein Bruttoinlandsprodukt um 70 Prozent steigern, wenn die fehlende Geschlechtergleichstellung bei den Arbeitnehmern ausgeräumt würde. Lesen Sie hier, wie SAP und ihr CSR-Partner Laboratoria dieses Problem lösen wollen – und benachteiligte Frauen durch Weiterqualifizierung fit für die digitale Wirtschaft machen.

„Ich war eine der beiden Frauen mit einem Sitz in der Regulierungsbehörde, die Mexikos Telekommunikationsbranche beaufsichtigt. Das war ein sehr stark von Männern beherrschter Sektor, in dem es schwierig zu agieren war“, erzählt Dr. Maria Elena Estavillo, eine international anerkannte Expertin für Aufsicht und Kartellrecht in der Telekommunikationsbranche.

Ausgehend von ihren Erfahrungen gründete Estavillo die Organisation Conectadas MX. Sie widmet sich der Steigerung der Beschäftigungsquote von Frauen und deren beruflicher Förderung bis hinauf zur Geschäftsleitung in Berufen in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) in ganz Mexiko.

„Dieses Thema ist natürlich ein globales Problem“, meint sie. „Aber in Mexiko sind Frauen in dieser Hinsicht besonders schlecht gestellt. Wenn wir Gehaltsobergrenzen oder die Erwerbsbeteiligung betrachten, rangieren wir weit hinter vielen Ländern, auch innerhalb Lateinamerikas.“ Um dem entgegenzuwirken, bietet Conectadas Mentorship und Kampagnen zu Recruiting-Richtlinien und -Verfahren an, die Frauen ermutigen, in den IKT-Arbeitsmarkt einzusteigen.

Wie sich gezeigt hat, steht Estavillo mit ihrem Anliegen nicht allein da, und die Probleme, die sie benennt, wurzeln tief. Laboratoria ist eine gemeinnützige Organisation, die Frauen durch Schulungen und Starthilfe bei der Stellensuche den Einstieg in die digitale Wirtschaft erleichtert. In Zusammenarbeit mit ihrem Partner SAP, einem globalen Anbieter von Unternehmenssoftware, hat sie die Studie „The future is diverse: Women in technology industries in Mexico“ erstellt. Die Untersuchung ergab, dass Mexiko in mehreren wichtigen Kategorien hinter anderen Ländern zurückbleibt.

Araceli Campos, Country Manager für Mexiko von Laboratoria, erklärt: „Machismo ist in der Arbeitnehmerschaft allgegenwärtig. Wir haben starke Antidiskriminierungsgesetze, aber diese werden nur mangelhaft eingehalten.“ Beispielsweise fragen Männer Bewerberinnen in Vorstellungsgesprächen, ob sie schwanger sind oder in naher Zukunft vorhaben, eine Familie zu gründen. Tatsächlich sind 35 Prozent der Bevölkerung Mexikos der Überzeugung, dass Männer für MINT-Berufe besser geeignet sind. Das belegt eine von der National Autonomous University of Mexiko (UNAM) veröffentlichte Studie.

Hinzu kommt, dass Frauen in Mexiko zwar das gleiche Bildungsniveau wie Männer erreicht haben, doch der Studie zufolge „sehr wenig Frauen einen Hochschulabschluss in einem technischen Fachgebiet machen“. Und wenn Frauen sich auf MINT-Fachgebiete konzentrieren, ist die Qualität der Ausbildung in Mathematik und Naturwissenschaften in Mexiko (wie auch die allgemeine Ausbildungsqualität) vergleichsweise niedrig: sie erreicht in der Bewertung des Weltwirtschaftsforums nur 2,8 von 7 möglichen Punkten. Die Folgen? Frauen sind in Mexiko schlechter auf den Berufseinstieg im Technologiesektor vorbereitet als Männer.

Infolge der kulturell bedingten Verzerrungen und der unterdurchschnittlichen Ausbildung sind Frauen unterrepräsentiert – besonders in Technologieberufen. Campos ergänzt: „Was in Mexiko auffällt, ist, dass die Gesamtbeteiligung am Arbeitsmarkt bei den Frauen nur 47 Prozent beträgt, bei Männern dagegen 83 Prozent. Und 31 Prozent der Frauen unter 24 Jahren sind überhaupt nicht erwerbstätig.“

Zum Vergleich: In anderen OECD-Ländern sind 70 Prozent der Frauen erwerbstätig. Noch schlimmer sieht es in der Technologiebranche aus. Auf ganz Lateinamerika bezogen stellen Frauen eine von zehn Technologie-Fachkräften, in Mexiko eine von acht.

Erfolgreiche Unternehmen achten auf Vielfalt beim Personalmanagement

Für Campos bedeutet das, dass Frauen sich eine riesige wirtschaftliche Chance entgehen lassen. „Schätzungen zufolge brauchen wir bis 2025 1,25 Millionen Entwickler in Lateinamerika. Laboratoria wurde mit der Überzeugung gegründet, dass wir eine Welt schaffen müssen, in der die Chancen für das digitale Zeitalter gleich verteilt sind“, fügt sie hinzu.

Außerdem zahlt Mexikos Privatwirtschaft einen hohen Preis dafür, dass Frauen vielfach vom Erwerbsleben ausgeschlossen sind. „Wenn die fehlende Geschlechtergleichstellung bei den Arbeitnehmern in Mexiko ausgeräumt würde, könnte das eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 70 Prozent bewirken“, unterstreicht Campos.

SAP teilt die Meinung, dass Unternehmen ohne Fokus auf personelle Vielfalt weniger erfolgreich sind. Deshalb hat SAP eine Partnerschaft mit Laboratoria ins Leben gerufen, um die Stellung von Frauen in MINT-Bereichen zu fördern und bei der Erstellung der Studie mitzuwirken. Raquel Macias verantwortet bei SAP Mexico die Bereiche Corporate Affairs und SAP Corporate Social Responsibility. Ihre Erkenntnis: „Ohne Frauen ist es schwer, Produkte zu entwickeln, die ein breites Spektrum an Verbrauchern ansprechen. Es ist hinlänglich bewiesen, dass Unternehmen mit mehr Frauen in ihren Reihen eine bessere, innovativere Kultur pflegen und höhere Gewinne erzielen.“

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Was Unternehmen tun können, um die Beteiligung von Frauen an der digitalen Wirtschaft zu stärken

Um diesen Wandel in Gang zu bringen, ergreift Laboratoria gemeinsam mit Unternehmen wie SAP Maßnahmen, die einen nachhaltigen Effekt bringen. „Wir haben festgestellt, dass die Zusammenarbeit mit Frauen nur ein Teil des Weges ist, wenn wir systemische Veränderungen bewirken wollen“, so Campos. „Wir müssen auch mit den Unternehmen zusammenarbeiten. Denn was wir brauchen, ist ein Einstellungswandel, ein Kulturwandel.“

Welche konkreten Schritte kann die Technologiebranche unternehmen, um Frauen besser zu integrieren und mehr Geschlechtergleichstellung zu verwirklichen? Campos empfiehlt Unternehmen, aktiv und gezielt Frauen anzuwerben. „Personalabteilungen sagen, ‚wir haben die Stelle ja ausgeschrieben, aber es hat sich keine Frau beworben.‘ Aber da müssen wir uns einmal die Formulierungen in der Stellenausschreibung ansehen – Männer bewerben sich, wenn sie die Hälfte der Kriterien erfüllen, das tun Frauen aber nicht“, berichtet sie. „Sie müssen härter arbeiten, um das Gleiche zu bekommen.“

Darüber hinaus müssen Unternehmen Richtlinien etablieren, die sicherstellen, dass qualifizierte Mitarbeiterinnen im Unternehmen bleiben und systematisch aufgebaut werden. Aber damit neue Regeln greifen, muss eine neue Kultur Wurzeln schlagen. „Wir brauchen eine andere Kultur in den Unternehmen, und wir müssen überzeugend vermitteln können, warum es auf Vielfalt ankommt“, bekräftigt Campos. Dazu brauchen Führungskräfte auch Werkzeuge, die ihnen helfen, die mit personeller Vielfalt verbundene Komplexität zu bewältigen und unvoreingenommen zu bleiben. Campos hierzu: „Führungskräfte müssen sich damit anfreunden, dass sie Neuland betreten, dass es in Ordnung ist, im Moment nicht alle Antworten zu kennen, während wir diesen tiefgreifenden Wandel einleiten.“

Und schließlich empfehlen SAP und Laboratoria, dass alle Akteure, einschließlich Medien, Regierungen, NGOs und Privatunternehmen, ihre Kräfte bündeln. Sie alle spielen eine wichtige Rolle dabei, nachhaltige Veränderungen zu bewirken. Campos zieht die Beziehung zu SAP und dem SAP-Team für Corporate Social Responsibility als Beweis heran.

Ihr Resümee: „SAP stellt ein konkretes Engagement für diese Sache unter Beweis. Und als Unternehmen, das im Bereich Geschlechtervielfalt führend ist, nimmt SAP Einfluss auf die Branche und inspiriert sie. Das bedeutet, dass viele Menschen ihrem Beispiel folgen – und das heißt sehr viel.“