Intel-CIO Archie Deskus über digitale Transformation und Technologie

„Digitale Transformation ist nicht das neueste Schlagwort der Branche; es handelt sich um einen Trend – einen deutlichen Wandel der Arbeitsweise, des Wettbewerbsverhaltens und der Art wie Unternehmen wachsen“, sagt Archie Deskus, die Anfang dieses Jahres zum Senior Vice President und CIO der Intel Corporation ernannt wurde.

Mit einem Zitat des ehemaligen Vorstandssprechers von Intel, Andy Grove, erinnert uns Deskus daran, dass ein Konzern ein lebender Organismus ist; er muss sich immer wieder häuten. Methoden, Fokus und Werte müssen sich ändern. Die Gesamtsumme dieser Änderungen ergibt die Transformation.

Auswirkungen von KI und IoT auf Wirtschaft und Technologie

Der Trend zur Digitalisierung wurde durch das Zusammenwachsen neuer Technologien wie Cloud, Internet der Dinge (IoT) und künstliche Intelligenz (KI) gefördert. Im Verbund sind diese Technologien imstande, ein Unternehmen zu transformieren und bedeutenden Mehrwert zu schaffen. Dies erfordert jedoch die Integration digitaler Technologien in alle Bereiche eines Unternehmens.

Organisatorisch erfordert das neue Portfolio von Intel eine Reihe vollständig neuer Funktionen, die systematisch aufgebaut und mit der Zeit skaliert werden. Einige davon, wie eine skalierbare Infrastruktur, Tools und optimierte Datenarchitekturen, werden den Grundstock bilden. Durch andere wird sich Intel auf dem Markt abheben, etwa wenn es darum geht, die größten Talente im Bereich Datenwissenschaft für sich zu gewinnen.

Aktuelle Aufgabenstellung: Digitalisierung und Innovation vorantreiben

Wenn sie auf ihre Karriere zurückblickt, fällt Deskus eine deutliche Entwicklung auf. In den Anfangsjahren, wurde Software eingesetzt, um Produktivität und Zuverlässigkeit zu steigern sowie Kosten zu senken. Heute werden Software und Daten genutzt, um Unternehmen und ganze Branchen umzukrempeln und dadurch mehr Wachstum und Differenzierung zu ermöglichen.

„Heute können CIOs den Wandel entscheidend vorantreiben, indem sie für Innovationen, herausragende Kundenerfahrungen und neue Arbeitsweisen sorgen“, betont die Branchenexpertin, die in ihrer mehr als 33-jährigen Karriere CIO für globale Unternehmen wie HP, Timex und Ingersoll Rand war.

Deskus hätte zwar auch andere Rollen übernehmen können. Ihr Herz schlug aber immer für den Posten des CIOs. „Manchmal habe ich mich unbehaglich gefühlt und musste Risiken eingehen, um Änderungen zu bewirken. Aber mir gefällt das stetige Lernen, das Lösen von Problemen und die Möglichkeit, Dinge zu verändern.“

Deskus betrachtet die Entstehung von Daten als eine umwälzende Kraft in einer Zeit, in der eine explosionsartige Zunahme von Geräten all unsere Interaktionen durchzieht. Geschäfte, Krankenhäuser, Fertigungsbetriebe und sogar Autos werden zu Datenfabriken und dadurch zum Motor eines tiefgreifenden Wandels. Die Daten müssen schneller und sicherer als je zuvor verschoben, gespeichert und verarbeitet werden. Intel spielt eine zentrale Rolle bei der Erschließung des Potenzials von Daten, um weltweit Mehrwert für Menschen, Unternehmen und die Gesellschaft zu schaffen.

Datenchaos durch Integration vermeiden

Eine Firma, die mit dem Wandel gehen möchte, sollte sicherstellen, dass Datenarchitektur, Betriebsmodell, Sicherheit und Compliance integriert sind. All dies lässt sich auf ideale Weise in einer soliden Unternehmensdatenstrategie vereinen, die eine datenzentrierte Sichtweise zum Ausdruck bringt, eine datenorientierte Kultur fördert und „Data-as-a-Service“ umfasst. So können die Mitarbeiter problemlos auf die benötigten Qualitätsdaten zugreifen. Deskus ist überzeugt, dass IT-Organisationen ohne eine derartige Strategie immer nur „Datenchaos“ schaffen werden.

„Im Zuge der Pandemie ist Technologie nun nicht mehr nur ein zusätzlicher Komfort, sondern eine Notwendigkeit geworden“, erklärt Deskus. Damit einhergehend steigt beim Verbraucher die Nachfrage nach personalisierten digitalen Erlebnissen, die intelligente, vernetzte Geräte und fortschrittliche Technologien, wie KI und maschinelles Lernen erfordern.

Intel sieht in SAP einen strategischen Partner, der Standardisierungs- und Integrationsfunktionen bietet, damit das Unternehmen bessere und schnellere Entscheidungen treffen kann. Intel setzt KI ein, um riesige Datenmengen konsequent zu analysieren und auszuwerten.

Eine effiziente Datenanalyse liefert Einblicke, die das menschliche Urteilsvermögen unterstützen und dabei helfen, neue Märkte, Produkte und Produktmerkmale auszumachen. Dieser Prozess ist wichtig, wenn es darum geht, Vorhersagen zu treffen und Veränderungen zu verstehen. Dazu zählen sich rasch ändernde Marktbedingungen und neue Arten von Verbraucher. In der digitalen Wirtschaft von heute sind diese von entscheidender Bedeutung. Dank KI kann Intel beispielsweise Preise, Nachfrage und Angebot optimieren, um die Genauigkeit der Vorhersagen zu erhöhen und den Umsatz zu steigern. Dies führt wiederum zu besseren Kundenerlebnissen.

Corona-Krise beschleunigt digitale Transformation

Die Pandemie hatte keine Auswirkungen auf die Transformation von Intel und das Unternehmen hält weiterhin an seinen Plänen fest. Das Hauptaugenmerk lag während der Pandemie auf der Sicherheit der Mitarbeiter und dem Ziel, den Geschäftsbetrieb mit minimalen Störungen für die Kunden aufrechtzuerhalten. Als die Pandemie um sich griff, arbeiteten plötzlich mehr als 100.000 Intel-Mitarbeiter von zu Hause aus. Hinzu kamen noch die externen Mitarbeiter und Partner.

Das IT-Team von Intel musste seine Komfortzone verlassen und umgehend reagieren, auch wenn Zweifel herrschten und man nur halbgare Lösungen zur Hand hatte. Schrittweise wurde auf dauerhafte Lösungen hingearbeitet. Deskus versuchte in erster Linie, mit der Pandemie Schritt zu halten und sich gleichzeitig auf die Transformation zu konzentrieren.

Schon zuvor musste sich Deskus mit Krisen auseinandersetzen, zum Beispiel in der Luftfahrtindustrie nach den Anschlägen des 11. September und in der Öl- und Gasindustrie, als die Branche einen heftigen Abschwung erlebte. Doch das weltweite Ausmaß und die Geschwindigkeit der Ausbreitung von COVID-19 brachte andere Herausforderungen mit sich.

„Wer während der Pandemie in eine neue Rolle wechselt, wird den fehlenden persönlichen Kontakt mit der Möglichkeit, sich zu vernetzen und Vertrauen aufzubauen als besonders schwierig empfinden“, sagt Deskus und fügt hinzu, dass eine Krise die Menschen zusammenbringen und gleichzeitig die Lernkurve beschleunigen könne. „Selbst in Krisenzeiten muss man nach vorne blicken, also passt man sich an und stellt sich auf neue Voraussetzungen ein.“

Im Anpassen ist Deskus Expertin. Oft ist sie immer noch die einzige Frau im Raum. Deshalb ist es ihr erklärtes Ziel, Frauen in MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu fördern und als Vorbild für den Weg nach oben zu dienen.

Die nächste Generation für Technologie begeistern

Der zähe Kampf, dem sich Frauen ausgesetzt sehen, ist real und noch härter für Frauen anderer Hautfarbe. Deskus rät deshalb, sich abzuheben, um Anerkennung zu erzielen. „Sie müssen bereit sein, Risiken einzugehen, beispielsweise in Meetings klar Ihre Meinung sagen und auf einer Beförderung bestehen. Sie müssen Ihre Komfortzone verlassen“, meint Deskus und betont, wie wichtig es ist, dass sich die Leute im Umfeld der Frauen – Mentoren, Manager oder andere, die sie als Führungskräfte ansehen – für ihre Karriere einsetzen und sie bei der Erreichung ihrer Ziele unterstützen.

„Mir liegt sehr viel daran, dass sich junge Mädchen für eine Karriere in MINT interessieren“, sagt die IT-Expertin, die seit Jahren Mädchen und Frauen als Mentorin zur Seite steht. „Wenn es uns nicht gelingt, das Interesse der Mädchen der vierten bis sechsten Klassen wecken und sie davon überzeugen, dass sie in Mathematik und Naturwissenschaften genauso gut sein können, wie die Jungen, verlieren wir sie. Ich ermutige jeden, in seinem Umfeld aktiv zu werden, um dazu beizutragen, Mädchen für MINT-Themen zu gewinnen.“

Deskus fände es schön, wenn sich die nächste Generation für Technologie begeistern könnte. „Sie trägt in unserem Leben wesentlich zum Wandel bei. Technologie hat gewaltigen Einfluss auf die Entwicklung unserer Lebens-, Arbeitsweise und Freizeit genommen und wird dies auch in Zukunft tun.“

Für Deskus kann eine Karriere in der Technologie gleichbedeutend mit unbegrenzten Möglichkeiten sein, in jeder Branche für beispiellose Veränderungen zu sorgen. Sie weist auch darauf hin, dass eine Übertragbarkeit zwischen den verschiedenen Branchen und Unternehmen durchaus gegeben ist. Zu den wichtigen Fähigkeiten, die man sich aneignen muss, zählen lebenslanges Lernen, Durchsetzungs- und Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit sowie fundierte Kenntnis des eigenen Unternehmens.

Abschließend stellt Deskus klar: „Technische Innovationen sind eine Konstante Größe und die Innovationszyklen werden immer kürzer. Deshalb darf man keine Chance ungenützt lassen, sich auf dem Laufenden zu halten. Sie müssen nicht nur neue Methoden lernen und neue Wege gehen, sondern auch selbst Treiber des Wandels sein, so wie ich es seit mehr als drei Jahrzehnten tue.“