Beschleunigung des Übergangs zu einer Kreislaufwirtschaft

Mit Technologien den Übergang zur Kreislaufwirtschaft beschleunigen

Nachhaltigkeit ist für Unternehmen heute ein Muss. Verbraucher, Investoren, Regulierungsbehörden und Mitarbeitende verlangen immer häufiger sozial, ökologisch und wirtschaftlich verantwortungsvolle Produkte und Dienstleistungen, bei deren Entwicklung, Herstellung, Nutzung und Wiederverwertung das Kreislaufmodell berücksichtigt wird.

Die SAP ist fest davon überzeugt, dass Technologie führenden Unternehmen helfen wird, diese Herausforderung als Chance zu nutzen. Deshalb stellen wir mit SAP Cloud for Sustainable Enterprises dedizierte Lösungen bereit, die die nötige Transparenz zur Schaffung einer Kreislaufwirtschaft bieten.

Die Vorteile der Kreislaufwirtschaft

Unser Verbrauch natürlicher Ressourcen hat verheerende Auswirkungen auf Menschen, Tiere und den Planeten. Es ist wichtiger denn je, von den linearen Konsummodellen einer Wegwerfgesellschaft auf eine Kreislaufwirtschaft umzustellen, die ohne Abfall und Verschmutzung auskommt. Produkte und Materialien sollen länger genutzt werden und die Kreislaufwirtschaft soll die Regeneration natürlicher Systeme ermöglichen. In einer Kreislaufwirtschaft geht es nicht nur darum Umweltschäden zu beheben. Das Ziel ist es vielmehr, für Unternehmen aller Branchen und für alle Menschen Nachhaltigkeit rentabel und Rentabilität nachhaltig zu machen.

Die Verpackungsindustrie ist ein gutes Beispiel dafür. Laut Statista wurden 2020 über 130 Milliarden Pakete ausgeliefert – Tendenz steigend. Der dadurch entstehende Verpackungsmüll ist ein Ärgernis für Händler, Verbraucherinnen und Verbraucher und führt zu immensen Schäden für die Umwelt. Die gute Nachricht lautet, dass Kreislaufprinzipien wie die Entwicklung von Produkten, die sich wiederverwenden und wiederverwerten lassen, immer mehr an Bedeutung gewinnen.

Ein Vorreiter in diesem Bereich ist das Unternehmen LimeLoop, das Einzelhändler mit einem breit gefächerten Angebot unterstützt, unter anderem mit wiederverwendbaren Verpackungen, Rücknahmelogistik, Informationen und Analysen. Mit seinem einzigartigen Konzept hat LimeLoop bereits zur Vermeidung von über einer Million Einwegverpackungen beigetragen, die im Müll gelandet wären. Die Kunden von LimeLoop profitieren von einer 53 Prozent stärkeren Kundenbindung, 93 Prozent geringerem Ressourcenbedarf (einschließlich Holz, Wasser und Erdöl) sowie 41 Prozent weniger Verpackungen und Beständen.

Auch Miet-, Reparatur- und Wiederverkaufsmodelle finden im Einzelhandel zunehmend Verbreitung. Der Einrichtungskonzern IKEA hat in den vergangenen Jahren verschiedene Pilotprojekte für den Verkauf von Second-Hand-Möbeln durchgeführt. Der Re-Commerce-Softwareanbieter Lizee hat es sich zum Ziel gesetzt, die „Transformation des Einzelhandels von der linearen Wirtschaft zur Kreislaufwirtschaft“ voranzubringen, indem er Händler bei der Umstellung vom Verkaufs- auf ein Miet- und Wiederverkaufsmodell unterstützt. Zu seinen Kunden zählen Unternehmen wie Decathlon und adidas. Anstatt ein eigenes Geschäftsmodell für Miete und Wiederverkauf entwickeln zu müssen, stellt Lizee Technologiesysteme bereit. Mit ihnen können Unternehmen ihren Erfolg im E-Commerce ausbauen und zugleich nachhaltiger werden.

Verantwortung übernehmen

Eine wichtige Rolle spielen die Vorschriften zur erweiterten Herstellerverantwortung. Darin ist geregelt, dass der Hersteller eines Produkts auch für dessen Recycling, Wiederverwendung oder Entsorgung verantwortlich ist. Zudem werden immer häufiger Plastiksteuern erhoben, d. h. Unternehmen müssen Abgaben für die Verwendung von Materialien zahlen, die nicht einen bestimmten Anteil von wiederverwertbaren Stoffen enthalten.

Das Kreislaufmodell von Lizee unterstützt Einzelhändler bei der Einhaltung richtungsweisender Vorschriften in Frankreich, die die Vernichtung nicht verkaufter Waren verbieten. Das Verbot ist Teil eines weitreichenden Gesetzes zur Abfallbekämpfung, das letztes Jahr vom französischen Parlament verabschiedet wurde. Auch in anderen EU-Ländern wächst der Druck, ähnliche Vorschriften umzusetzen.

Während Hersteller bislang beim Design ihrer Produkte vor allem die Kosten und die Leistung im Blick hatten, wird der Schwerpunkt künftig auf Nachhaltigkeit und Wiederverwertbarkeit liegen. Dieser Wandel wird durch die Nachfrage der Kunden, die Verfügbarkeit neuer Technologien und geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen vorangetrieben.

Für unseren Planeten sind das hervorragende Nachrichten. Doch ergeben sich daraus insbesondere für große Hersteller Herausforderungen, da es für sie sehr schwierig ist, die unterschiedlichen Vorschriften für Produkte in den einzelnen Regionen und Märkten einzuhalten. Hersteller, die ihre Abläufe neu ausrichten wollen, sehen sich mit komplexen Lieferketten, Altlasten und veralteten Technologien konfrontiert.

Den Lebenszyklus von Tausenden Produkten und vielen Zehntausend Materialien unter Einhaltung einer Vielzahl von Regularien in unterschiedlichen Regionen zu verwalten, wird in den kommenden Jahren eine der größten Herausforderungen globaler Unternehmen sein. Mit der Lösung SAP Responsible Design and Production können Unternehmen Vorschriften einhalten und den komplexen Übergang von einer linearen Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft bewältigen, in der Produkte und Materialien wiederverwendet, für andere Zwecke genutzt und recycelt werden können.

Das Prinzip der Wesentlichkeit

Parallel zur verstärkten Ausrichtung auf eine verantwortungsbewusste Produktion berücksichtigen Investoren bei der Bewertung von Risiken und Chancen in zunehmendem Maße auch Faktoren in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Governance (ESG).

Im aktuellen ESG Investor Survey stellt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers fest, dass 49 Prozent aller Investoren weltweit ihre Beteiligungen an Unternehmen veräußern würden, die Probleme in diesen Bereichen nicht wirksam bekämpfen. Für 79 Prozent ist das Management von Risiken und Chancen in den Bereichen Umwelt, Gesellschaft und Governance ein wichtiger Aspekt bei Investitionsentscheidungen. Seit Juni 2021 liegt rund einem Drittel der weltweiten Investitionen eine ESG-Strategie zugrunde. Insgesamt beläuft sich die Summe dieser Investitionen auf über 35 Billionen US-Dollar.

Die Wesentlichkeit spielt als Maßstab dafür, wie wichtig bestimmte Informationen für eine Entscheidung sind, eine zentrale Rolle bei der Gewichtung von ESG-Faktoren. Diese Faktoren unterscheiden sich von Branche zu Branche und können finanzielle Kennzahlen beeinflussen. Wesentliche ESG-Faktoren einer Fluggesellschaft wären beispielsweise die Treibstoffeffizienz, CO2-Emissionen sowie Maßnahmen zum Gesundheits- und Arbeitsschutz, die sich stärker auf den Gewinn und die Kundenerwartungen auswirken als etwa Aspekte wie Kinderarbeit.

Die Bedeutung der Wesentlichkeit untermauert auch die aktuelle Studie von SAP Insights: Der blinde Fleck in der Bilanz: Wie sich Nachhaltigkeit auf Wettbewerbsfähigkeit und Gewinn auswirkt. Die Umfrage hat ergeben, dass Unternehmen, die Nachhaltigkeit als wesentlich für ihre Geschäftstätigkeit erachten – also Auswirkungen auf ihre Finanzlage oder ihre operative Leistung für wahrscheinlich halten –, ihre Abläufe umgestalten und bessere Geschäftsergebnisse erzielen als Unternehmen, die Nachhaltigkeit keine wesentliche Bedeutung beimessen. Unternehmen, die diesen blinden Fleck eliminieren, werden von langfristigem Wachstum profitieren.

Wirtschaftliche und soziale Wertschöpfung

Ein anschauliches Beispiel für einen zirkulären, regenerativen Ansatz, mit dem Einzelhändler Abfälle Schritt für Schritt vollständig vermeiden und dabei rentabel bleiben können, ist der Modehandel, einer der größten Umweltverschmutzer der Welt. Stephanie Benedetto, die früher als Anwältin gearbeitet hat und sich in der New Yorker Textilbranche gut auskennt, hat mit Queen of Raw einen Marktplatz für den Kauf und Verkauf von nicht genutzten Stoffen geschaffen, die sonst verbrannt oder anderweitig entsorgt werden würden.

Stephanie Benedetto hatte festgestellt, dass Einzelhändler oft wie gelähmt sind, wenn sie hochgesteckte Ziele wie vollständig nachhaltige Abläufe bis zum Jahr 2030 umsetzen sollen. Sie half ihnen, in einem ersten Schritt wertvolle Abfälle in ihren Lieferketten zu ermitteln, beispielsweise ungenutzte Bestände und unverkäufliche Ware, und diese über den Marktplatz zu vertreiben.

Die so erzielten Einnahmen können genutzt werden, um der Belegschaft höhere Gehälter zu zahlen und innovative Technologien und nachhaltige Materialien zu kaufen – ganz ohne höhere Investitionsausgaben.

Stephanie Benedetto ist fest davon überzeugt, dass Technologie und die Nutzung vorhandener Daten, etwa von Supply-Chain-Daten aus einer SAP-Lösung, zur Bewältigung des Abfallproblems beitragen können. Daten geben Aufschluss darüber, woher der Abfall stammt, woraus er besteht und wie er entsorgt wird. Mithilfe von Supply-Chain-Software auf der Basis von Technologien wie automatisiertem maschinellem Lernen, künstlicher Intelligenz (KI) und Blockchain kann der Übergang von einem linearen Geschäftsmodell zu einem Kreislaufmodell gelingen, das die Umwelt schützt und zugleich zur finanziellen Wertschöpfung beiträgt.

Unternehmen wie Queen of Raw, Lizee und LimeLoop haben die Risiken und Chancen unserer vom Klimawandel geprägten Welt erkannt. Mit klaren Strategien, einer Kreislaufwirtschaft und innovativen Tools und Lösungen helfen sie ihren Kunden, Abfall zu vermeiden, Klimaneutralität zu erreichen und Ungleichheit zu überwinden.

Noch ist unsere Geschäftswelt nicht nachhaltig, doch der Wandel hin zu nachhaltigen Abläufen stellt die größte gesellschaftliche und wirtschaftliche Chance unserer Zeit dar. Unternehmen müssen Nachhaltigkeit zum zentralen Element ihrer Strategien machen und mithilfe von Technologie ihre Nachhaltigkeitsleistung steuern. Mit SAP Cloud for Sustainable Enterprises unterstützt die SAP Kunden bei ihrer Entwicklung zum nachhaltigen Unternehmen, das Daten, Netzwerke und Partnerschaften zur Erreichung seiner Ziele nutzt.


Sebastian Steinhaeuser ist Chief Strategy Officer der SAP.