Mit intelligenten Regalen bleibt der Handel gut im Geschäft

Branchenspezifische Innovation Kits erschließen dem Handel eine Vielzahl intelligenter Optimierungspotenziale. Ein Schnellstarterpaket für das vernetzte Regal soll künftig Sortimentsgestaltung, Bestandsmanagement und Preisauszeichnung weiter erleichtern. SAP-Retail-Experte Oliver Grob erklärt, wie.

Der Onlinehandel boomt, traditionelle Einzelhändler kämpfen dagegen vielerorts ums Überleben. Ist der stationäre Handel ein Auslaufmodell?

Im Gegenteil: Laut einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung PwC gewinnt er hierzulande aktuell sogar wieder an Beliebtheit. Demnach kaufen 60 Prozent der Konsumenten mindestens einmal wöchentlich direkt im Geschäft ein. Das sind fast 15 Prozent mehr als noch 2016. Gleichzeitig steigen jedoch die Ansprüche der Kunden: Sie erwarten auch im stationären Handel hohe Verfügbarkeit, passgenaue Angebote und individuelle Beratung. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, müssen Einzelhändler ihre Prozesse und Strukturen neu ausrichten. Intelligente Regale können dazu maßgeblich beitragen.

Dieser Beitrag ist Teil der Themenserie

Serie: Intelligent Retail – Handel mit Köpfchen

Die Zukunft des Handels liegt in intelligenten Prozessen und der smarten Nutzung von Massendaten. Um die Potenziale der Digitalisierung agil zu erschließen, braucht es jedoch eine zukunftsorientierte, flexible Infrastruktur sowie die Bereitschaft, bestehende Abläufe auf den Prüfstand zu stellen und zu optimieren. SAP liefert dafür die richtigen Werkzeuge.

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Welchen Beitrag können intelllgente Regale im Handel leisten?

Zum Beispiel im Rahmen der Sortimentsgestaltung: Intelligente Regale registrieren nicht nur, welches Produkt Kunden wie oft entnehmen. Sie erfassen auch, ob der Konsument es anschließend in seinen Einkaufswagen legt oder womöglich wieder zurückstellt. Aus solchen Informationen lassen sich wichtige Erkenntnisse, sogenannte Shopper Insights, ableiten. Wird etwa ein Produkt häufig in die Hand genommen, aber nur selten verkauft, könnten Preisanpassungen oder Rabatte zusätzliche Kaufanreize schaffen.

Intelligente Supermärkte setzen auf maschinelles Lernen, IoT und Datenanalysen

Auch Präsentationslücken lassen sich durch intelligente Regale im Handumdrehen schließen – ein wichtiger Vorteil. Schließlich kann Ware, die im Regal fehlt, auch keinen Umsatz generieren. Dementsprechend wichtig ist es, sogenannte Out-of-Shelf-Situationen zu vermeiden. Aktuell verbringen Filialmitarbeiter einen großen Teil ihrer Arbeitszeit damit, Ware rechtzeitig aufzufüllen. Das kostet viel Zeit, die bei der Beratung fehlt und auf die Marge drückt. Intelligente Regale informieren dagegen proaktiv über drohende Regallücken – und zwar noch bevor das letzte Exemplar eines Produkts über das Kassenband läuft. Zeitaufwendige Marktbegehungen gehören damit ebenso der Vergangenheit an wie fehlerhafte Preisauszeichnungen. Denn intelligente Regale kennen die Preise der einzelnen Produkte und registrieren Differenzen in der Auszeichnung umgehend.

Welche Technologien sind dazu erforderlich?

Einerseits braucht es geeignete sensorische Systeme, andererseits aber auch maschinelle Lernverfahren, passende IoT-Anwendungen sowie leistungsstarke Datenanalysen. Wie gut das Zusammenspiel dieser Komponenten funktionieren kann, zeigt Amazon seit Anfang des Jahres in seinem intelligenten Supermarkt „Amazon Go“ in Seattle. Hier registrieren Kameras, was die Kunden aus dem Regal nehmen, prüfen, zurückstellen oder mitnehmen. Das Konzept funktioniert reibungslos, scheitert hierzulande aber am Datenschutz. Stattdessen setzt man beispielsweise auf optische oder Gewichtssensoren. Oder auf explizit zertifizierte, gekapselte Bilderfassungssysteme. Auch die RFID-Technologie erfährt aktuell eine Renaissance.

Also gibt es bereits Unternehmen, die auf intelligente Regallösungen setzen?

Durchaus. Vor allem in der Modebranche sind intelligente Store-Konzepte immer häufiger zu finden. In Blusen, Hosen oder Kleidern zahlreicher Labels sind inzwischen RFID-Chips eingenäht. In Verbindung mit RFID-Antennen lässt sich so im gesamten Laden jedes einzelne Kleidungsstück mühelos tracken, fehlende Ware im Handumdrehen auffüllen. Mitarbeiter können alle Teile in einem Regal innerhalb von Sekunden per Handscanner erfassen – und sehen umgehend, ob alle Größen und Farben in ausreichender Menge vorhanden sind oder irgendwo ein falsches Teil dazwischen hängt.

Echtzeitdaten im Handel mit der Branchenlösung von SAP Leonardo

Allerdings lässt sich RFID nicht überall so effektiv einsetzen wie im Textilmarkt. Metall und Flüssigkeiten wirken sich negativ auf die Funkübertragung aus, auch im Lebensmittelhandel rechnet sich der flächendeckende Einsatz der Transpondertechnologie aufgrund der geringen Preise und Margen noch nicht. Aber das wird sich mittelfristig ändern, denn entsprechende Lösungen werden immer ausgereifter und auch kostengünstiger.

Wie unterstützt SAP Handelsunternehmen in diesem Bereich?

Wir entwickeln aktuell ein neues SAP Leonardo Industry Innovation Kit für das vernetzte Regal. Es soll dem Handel den Schritt in die Innovationswelt von morgen weiter erleichtern. Das branchenspezifische Schnellstartpaket bündelt unterschiedliche Werkzeuge, um eine intelligente Interaktion von Kunden und Verkaufsflächen zu ermöglichen, Regallücken zu vermeiden sowie Auszeichnungsfehler und Falschplatzierungen in Echtzeit zu ermitteln. Weitere Funktionalitäten, etwa im Bereich Cross-Selling oder Diebstahlschutz, lassen sich über SAP Cloud Platform in Eigenregie oder mit Unterstützung von SAP passgenau entwickeln.

Weitere Informationen:

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