HovalConnect: Wie aus einem Prototyp ein Produkt wird

Der Go-Live der Beta-Version von HovalConnect steht unmittelbar bevor, einer Cloud-Plattform, die Live-Daten von Heizanlagen für neue Services nutzt. Damit zeigt Hoval, der Spezialist für Heiz- und Raumklima-Lösungen, wie aus einem zusammen mit SAP entstandenen Prototypen Mehrwerte für den Kunden werden.

Der Launch der Beta-Version von HovalConnect steht unmittelbar bevor. Die neue Plattform soll schon von Beginn an über 5.000 Anlagen von Hoval verbinden. Zudem erwartet Peter Schatte, Leiter des Produktmanagements Regelungen, Connected Services bei Hoval „sehr große jährliche Zuwächse“. Anders als in der bisherigen IoT-Plattform, die von der Skalierung her an ihre Grenzen stieß, sind nun die Geschäftsprozesse integriert. So bekommt etwa, einen HovalRemote Vertrag voraus gesetzt, ein Hoval Techniker bei Störungen ein „Ticket“ und temporäreren Zugriff auf die entsprechende Anlage um eine rasche und effiziente Instandsetzung zu gewährleisten.

Hovals Prototyp: Die Feuertaufe für die Mode-2-Garage

Was Schatte damals nicht ahnte: Hovals Prototyp wurde damit auch zur Feuertaufe für die „Mode-2-Garage“, mit der die Beratungseinheit von SAP, die SAP Digital Business Services, seit August letzten Jahres in einem ehemaligen Hangar des ehemaligen Militärflugplatzes Dübendorf bei Zürich Unternehmen darin unterstützt, ihre konkreten Ideen zu Prototypen innerhalb von ein bis zwei Wochen zu entwickeln. So hat unter anderem Migros bereits davon profitiert, deren Tochterunternehmen Midor innerhalb von zwei Wochen eine smarte Eistruhe auf den Weg brachte. Zunächst nur bis Januar 2019 angedacht, wird die Mode-2-Garage aufgrund der enormen Nachfrage nun bis September diesen Jahres weiter vor Ort aktiv sein. „Der erfolgreiche Proof of Concept (PoC) von Hoval war der Wegbereiter dafür“, erläutert Senior Solution Architect Daniel Kölsch, der als Coach die Entwicklung der Prototypen begleitet: „Hoval hat uns den Blueprint für die Mode-2-Garage geliefert.“

Design Thinking: Die Learnings aus dem Blueprint

Unter dem Motto „One Week – One Challenge“ werden in Zürich heute im Wochentakt konkrete Ideen von Unternehmen zu einem Prototyp weiterentwickelt. Am ersten Tag wird die Idee überprüft und innerhalb von Innovations-Workshops und mit Hilfe von Design Thinking nachjustiert. Vom zweiten bis zum vierten Tag werden in 6er-Teams Minimal Viable Products (MVPs) kreiert und am letzten Tag in einer Live-Demo der Prototyp vorgestellt. Hoval Experte Schatte bezweifelt, dass das auch für die HovalConnect-Plattform in so kurzer Zeit möglich gewesen wäre, doch gibt er zu: „Der Aufwand wäre deutlich geringer gewesen, hätten wir uns vor Ort immer direkt abstimmen können.“ Stattdessen mussten Termine gefunden, Räume gebucht oder Online-Sessions aufgesetzt werden. Hinzu kommt, dass es im normalen Arbeitsalltag schwierig ist, sich komplett auf eine Aufgabe zu beschränken. Anders in der Mode-2-Garage: „Wer nur für diese Aufgabe dort ist, macht nicht mal eben noch was anderes“, so die Erfahrung von Schatte, dessen Team nur den letzten Schritt, die Überprüfung und Optimierung des Prototyps in der Mode-2-Garage bewältigt hat. Trotzdem kam die Kreativität nicht zu kurz: in Kundenworkshops brachte das Produktmanagement etwa die Kundenanforderungen und die IT-Erfordernisse für die Integration der ERP-Prozesse mit den IoT-Funktionalitäten mit ein und der Kundendienst jene für die HovalRemote Verträge mit den Kunden.

HovalConnect: IoT-Plattform mit Anbindung ans ERP

Die neue Plattform HovalConnect verschafft Kunden heute einfachen Zugang zu einem persönlichen Dashboard, das per Laptop, Tablet oder Smartphone einsehbar ist. Die Temperatur in den Gebäuden sowie Außentemperatur, Einstellungen der einzelnen Heizkreise, Tages- und Wochenprogramme lassen sich überprüfen oder justieren. Über einen geokodierten Weather Forecast fließt auch eine prädiktive Komponente in die Regelung mit ein, welche über die Plattform zu den einzelnen Anlagen verteilt wird. Somit können zusätzliche Energieeinsparungspotentiale aktiv genutzt werden, welche gerade bei den Bestandsgebäuden überraschende Einsparungseffekte erzielen. Dieser Nutzen erhöht sich natürlich weiter, wenn auch Solaranlagen mit der Anlage verknüpft sind. Die besondere Innovation der Plattform liegt für Hoval jedoch darin, dass auch die Geschäftsprozesse integriert sind. „Der Kunde hat künftig seine Anlage, Wartungsverträge, die aktuellen Einsätze bei Problemen und seine Rechnungen gebündelt“, sagt Schatte. Das Besondere: Im Kern basiert das ERP bei Hoval zwar noch auf SAP ECC, doch „steht“ die Roadmap für einen Wechsel auf das modernste ERP von SAP, SAP S/4HANA und Komponenten von SAP Customer Experience (SAP C/4HANA) bereits. So bekommt, wie einleitend erwähnt, bei einem Störfall ein HovalRemote-Techniker über ein automatisch generiertes Ticket Online-Zugriff auf die Daten der Anlage. Aber nur solange, bis das Problem behoben und das Ticket wieder geschlossen ist. Somit können speziell ausgebildete Techniker schon von Hoval, Probleme, Fehler oder Optimierungen analysieren und im Idealfall gleich anpassen. Über derzeit noch SAP ECC, künftig SAP S/4HANA bekommt der Kunde auch seine Abrechnungen und greift über seinen persönlichen Hoval Account zentral auf seine Daten zu.

MuKEn: Mustervorschrift fordert geringere Energieverbräuche

Nach der Beta-Phase soll die Plattform im Laufe des Sommers migriert werden. „Das ist gerade zum richtigen Zeitpunkt“, betont Nicole Küng, Leiterin Vertrieb & Marketing von Hoval in der Schweiz. Denn die Schweizer Bevölkerung beschäftigt sich derzeit sehr stark mit der Umsetzung der Mustervorschrift der Kantone im Energiewesen (MuKEn). Während Neubauten im Jahr 1975 noch 22 Liter Heizöl und im Jahr 2000 noch neun Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche verbrauchen durften, sieht die aktuelle Mustervorschrift eine Begrenzung der jährlichen Wärmeenergie auf 3,5 Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche und bei sanierten Gebäuden auf acht Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche fest. Bis 2020 soll MuKEn von den Kantonen umgesetzt sein. Dafür macht es durchaus Sinn, den Verbrauch (und auch die Menge selbst produzierter Energie über Solaranalagen) ständig im Auge zu behalten, anzupassen, zu optimieren und in Zukunft mit Unterstützung von künstlicher Intelligenz zielgerichtete Hinweise darauf zu bekommen, wie sich Verbräuche weiter senken lassen.

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