Sollten wir Mitarbeiter in Zeiten von Corona um Feedback bitten?

Diese Frage wird in den vergangenen zwei Wochen besonders häufig von unseren Kunden und Partnern gestellt. Und ja, auch wenn es momentan nicht wirklich wichtig erscheint: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt für formale Mitarbeiterbefragungen?

Traditionell führen Unternehmen ihre alljährlichen Mitarbeiterbefragungen im März oder April durch. Angesichts der wirtschaftlichen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie fragen sich derzeit viele Teams, ob sie an ihren Plänen festhalten sollen. In vielen Unternehmen wird die aktuelle Lage als eine Zeit der Ungewissheit, der Sorgen und des Stillstands wahrgenommen. Daraus ergibt sich ganz allgemein die Frage, ob man in dieser Zeit Mitarbeiter überhaupt um Feedback bitten sollte und wenn ja, zu welchen Themen.

Ich habe mich mit verschiedenen Kolleginnen und Kollegen, Kunden und Experten über diese offenbar einfache Frage unterhalten.

Ziel war es, diese Fragestellung bewusst aus verschiedenen Perspektiven beleuchten, doch interessanterweise waren sich alle einig: Gerade jetzt sollten Unternehmen das Feedback ihrer Mitarbeiter einholen. Die konkreten Fragen und auch die Art und Weise, wie sie gestellt werden, sollten jedoch die aktuelle Situation berücksichtigen.

Hier eine Zusammenfassung der Gespräche mit praktischen Tipps der Experten.

Sollten Unternehmen, die ihre Mitarbeiterbefragungen normalerweise in dieser Zeit durchführen, wie geplant damit fortfahren? 

Diese Frage wird einstimmig mit Ja beantwortet, doch sollten unter Umständen andere Fragen und Formulierungen gewählt werden als in den Jahren zuvor. Dr. David Landman, Head of Talent Assessment bei Goldman Sachs, betont: „Engen Kontakt zu den Mitarbeitern zu halten ist immer wichtig, in ungewissen Zeiten wie diesen jedoch entscheidend.“

Dr. Autumn Krauss, Principal Scientist bei SAP SuccessFactors, fühlt sich an die Zeit erinnert, in der sie Unternehmen nach schwerwiegenden Sicherheitsvorfällen beraten hat. Auch damals tauchte stets die Frage auf: „Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Mitarbeiter um Feedback zu bitten?“ Wie David Landman und ich ist sie der Auffassung, dass der Zeitpunkt genau richtig ist, um das Feedback der Mitarbeiter einzuholen.

Die Ergebnisse unserer Umfragen für den Bericht „Global Employee Experience Trends“ zeigen klar, dass Mitarbeiter bei weitreichenden organisatorischen Änderungen durchaus Feedback geben möchten. Vor allem aber zeichnen sich Mitarbeiter, die von ihren Unternehmen in dieser Zeit um Feedback gebeten werden, durch deutlich größeres Engagement aus.

Wie und zu welchen Themen sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter befragen? 

Die Experten sind sich einig, dass das Einholen von Feedback in dieser Zeit zwar wichtig ist, dies jedoch nicht bedeutet, dass dabei der übliche Fragenkatalog verwendet werden sollte. Dr. Marina Pearce, Head of Talent Analytics bei Ford, berichtet beispielsweise, dass Ford überlegt, zusätzlich zu der jährlichen Mitarbeiterbefragung tägliche oder wöchentliche Umfragen durchzuführen.

Andere Unternehmen wollen ihre jährlichen Befragungen wie geplant durchführen, die Fragen und Schwerpunktthemen jedoch an die aktuelle Situation anpassen.

Ihnen ist bewusst, dass es von den Mitarbeitern als unsensibel wahrgenommen werden könnte, wenn ihnen dieselben Fragen wie in den Vorjahren gestellt werden. Ich finde dieses Argument sehr überzeugend, und es entspricht auch einem der für mich wichtigsten Grundsätze beim Employee Experience Management: der Mitarbeiterorientierung. Mit anderen Worten: Es geht darum, was für die Mitarbeiter aktuell relevant und wichtig ist.

Zu welchen Themen sollten Unternehmen ihre Mitarbeiter befragen?

Wir alle waren uns einig, dass es keinen allgemeingültigen Katalog von Fragen zu der Vielzahl von Problemen geben kann, mit denen sich die Mitarbeiter derzeit konfrontiert sehen.

Es gibt jedoch einige Themen, die aktuell jedes Unternehmen betreffen:

  • Persönliche Sicherheit und Wohlergehen der Mitarbeiter
  • Hindernisse im Arbeitsalltag
  • Möglichkeiten, wie Unternehmen ihre Mitarbeiter besser unterstützen können
  • Häufigkeit und Qualität der Mitteilungen zu Prozess- und Richtlinienänderungen
  • Bedenken im Hinblick auf die Erfüllung von Kundenanforderungen
  • Wahrnehmung der Maßnahmen und Kommunikationsstrategie des Führungsteams

Ein praktischer Vorschlag lautete außerdem, Mitarbeiter auf unterschiedliche Weise um Feedback zu bitten, beispielsweise mit offenen Fragen und über Kanäle, die rund um die Uhr verfügbar sind. Solche Lösungen haben wir bei Qualtrics intern bereits für unseren eigenen Mitarbeiter implementiert, die verstärkt im Homeoffice arbeiten.

Die nächsten Schritte beim Experience Management: zuhören, reagieren und handeln

Unternehmen sind in dieser Zeit mehr denn je gefordert, ihren Mitarbeitern zuzuhören. Das Feedback der Mitarbeiter ist ein leistungsstarkes Instrument für die Planung der Geschäftskontinuität. Dieses Feedback einzuholen ist immer wichtig, doch in Krisen und Zeiten der Ungewissheit ist es ganz besonders wichtig. Es gibt Mitarbeitern das Gefühl, dass sie wertgeschätzt und unterstützt werden und ihrerseits einen Beitrag leisten können. Zugleich hilft es den Unternehmen auch, Schwachstellen aufzudecken, die Kommunikation an die jeweilige Situation anzupassen sowie ihre Prozesse und Richtlinien weiter zu verbessern.

Wir stehen vor großen Herausforderungen, und die Situation ändert sich täglich. Nach meinem Gespräch mit Experten bin ich mehr denn je überzeugt, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, um Mitarbeitern zuzuhören und anhand ihres Feedbacks gezielte Maßnahmen zu ergreifen. So kann es uns gelingen, am Ende gestärkt aus der Krise hervorzugehen!


Dieser Artikel wurde ursprünglich auf Forbes unter der Rubrik “Innovation” veröffentlicht.