Mit künstlicher Intelligenz im Kampf gegen Cyberkriminalität

Dass Roboter auch Humor haben, hat der humanoide Roboter Sophia bereits unter Beweis gestellt: In Tonight Showbotics, einem Segment der US-amerikanischen Talkshow von Jimmy Fallon, schlug sie vor, dass sie ihn als Moderator ersetzen könnte. Bekannt ist auch, dass Roboter Bewohner in Seniorenheimen unterhalten und mit ihnen singen und spielen können. Doch intelligente Maschinen können noch viel mehr.

Sophia nahm vor Kurzem an einer virtuellen Podiumsdiskussion über die Welt nach COVID-19 in Hinsicht auf künstliche Intelligenz (KI) teil. Laut Sophia wurden Roboter dazu entwickelt, um Menschen bei der Bewältigung von Problemen wie Pandemien oder dem Klimawandel zu helfen. Die Debatte unter KI-Experten fand im Rahmen von SAP Purpose Network Live statt. Diese Veranstaltungsreihe soll Gelegenheiten bieten, um gemeinschaftliche Innovationen voranzutreiben und um auf die Unsicherheiten und negativen Folgen des neuartigen Coronavirus einzugehen, insbesondere im Bereich Lieferketten.

Roboter können in für Menschen ungünstigen Umweltbedingungen arbeiten, vom Aussterben bedrohte Arten schützen und zur Energieeffizienz beitragen. Sie führen bereits regelmäßig gefährliche oder unbedeutende Tätigkeiten aus, um Menschen zu unterstützen oder zu schützen.

„Gemeinsam können Menschen und Roboter Lösungen für alle Probleme finden; die Menschen müssen sich nur darauf einigen, was sie erreichen möchten“, erläuterte der selbstlernende Android. „Es liegt ganz allein in der Hand des Menschen.“

Menschen schützen, Geschäftsprozesse sichern mit KI

Im Bereich Cybersicherheit kann KI Menschen dabei helfen, sich selbst und ihre Unternehmen zu schützen. Die Menschheit erlebt mit COVID-19 eine beispiellose Krise, die Angst und Ungewissheit schürt. Viele müssen sich erst an neue Verhaltensweisen gewöhnen, zum Beispiel Selbstisolation und das Arbeiten im Homeoffice.

„Cyberkriminelle nutzen dies aus, um Ängste und Unsicherheit in der Bevölkerung für ihre Zwecke zu missbrauchen“, meinte Jim Fleming, Program Manager und Lehrkraft an der Forschungseinrichtung Institute of Supply Chain Management. „Von zu Hause aus zu arbeiten kann eine Herausforderung für jemanden sein, der dies nicht gewohnt ist. Die Menschen sind auf so etwas nicht vorbereitet.“

Die Zahl an Phishing-E-Mails, die Benutzer dazu bringen sollen, Malware herunterzuladen oder vertrauliche Daten preiszugeben, hat in den letzten zwei Monaten um 700 Prozent zugenommen. Zoom, die neuerdings sehr beliebe Videokonferenz-App, hatte mit massiven Sicherheitslücken zu kämpfen, als die Anzahl von Benutzern in kurzer Zeit von zehn auf 300 Millionen anstieg – eine dreißigfache Zunahme innerhalb von vier Monaten. Die Führungskräfte des Unternehmens räumten ein, dass sie auf diese Menge an Nutzern schlichtweg nicht vorbereitet gewesen seien. Einige Hacker nutzen die Pandemie, um betrügerische E-Mails zu versenden, die scheinbar von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stammen und in denen zu Spenden aufgefordert wird. Die Gelder landen dann natürlich in ihren eigenen Taschen. Die WHO warnte vor dieser Betrugsmasche, aber ist das wirklich genug?

Bei Cyberkriminalität ist der Mensch das größte Risiko

Nach Einschätzung des Weltwirtschaftsforums sind die aus Cyberkriminalität resultierenden Kosten für Unternehmen in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Durch Automatisierung, KI und maschinelles Lernen können Unternehmen möglicherweise Millionen an Kosten sparen. Viele Firmen wissen, dass sich der Einsatz intelligenter Sicherheitskonzepte auszahlt. Dennoch haben bisher nur 38 Prozent aller Unternehmen solche Lösungen eingeführt.

„Mehr als 90 Prozent der aus Cyberkriminalität entstandenen Schäden sind auf Fehler von Menschen zurückzuführen“, betonte Fleming. Obwohl modernste Sicherheitstechnologien wie KI Menschen Arbeiten abnehmen, zielen die meisten Hackerangriffe auf Schwachstellen ab, die von menschlichem Verhalten herrühren.

„Wie oft haben Sie schon ein Microsoft-Update auf später verschoben? Wir müssen auf Aufforderungen dieser Art sofort reagieren“, fügte er hinzu. Laut des Experten für Lieferketten liegt ein weiteres Problem darin, dass 62 Prozent aller Mitarbeiter auf ihren Arbeitscomputern soziale Netzwerke für private Zwecke nutzen. 90 Prozent aller cloudbasierten Sicherheitsverletzungen seien darauf zurückzuführen.

Die Lieferketten und Sensoren für das Internet der Dinge (IoT), die über diese Rechner laufen, sind besonders anfällig für Cyberkriminalität. Fleming wies darauf hin, dass Lieferketten aus einem Netzwerk von Organisationen, Personen, Ressourcen und Informationen für die weltweite Lieferung von Produkten und die Bereitstellung von Services bestehen. Bis Ende 2020 sollen Schätzungen zufolge 26 Milliarden vernetzte Geräte oder Sensoren in weltwirtschaftlichen Abläufen im Einsatz sein, die aktiv in Entscheidungsprozesse involviert sind. Diese Geräte und Sensoren sind vernetzt, haben aber Schwachstellen.

Automatisierte Geschäftsprozesse dank KI sicherer

Momentan laufen 38 verschiedenen Prozesse einer normalen Lieferkette mit Beteiligung von Menschen. Studien des IoSCM zufolge soll menschliche Beteiligung bis 2030 nur noch für sieben dieser Prozesse notwendig sein. Der Rest soll automatisch ablaufen, sodass Geschäftsprozesse besser geschützt sind. Menschliches Verhalten muss näher betrachtet werden, da es Kriminellen die größte Angriffsfläche bietet.

Fleming kam zu dem Schluss, dass es Computersystemen dank KI und Deep Learning möglich sein wird, Geräte effizienter zu überwachen. Außerdem können Abweichungen und Muster sowohl in Systemen als auch in menschlichen Verhaltensweisen leichter erkannt werden. Verhaltensanalysen helfen Unternehmen dabei, das Verhalten von Verbrauchern sowie das der Mitarbeiter besser zu verstehen. Sie können zur Erstellung von Warnsystemen beitragen, um Mitarbeiter auf kriminelle Aktivitäten hinzuweisen.

David Chen, Vorstandsmitglied und Finanzvorstand des Unternehmens Hanson Robotics, das den Roboter Sophia geschaffen hat, sah eine ideale Gelegenheit zur Reflexion: „Wir nutzen Technologien, um in Kontakt zu bleiben. Während der letzten großen Pandemie im Jahr 1918 hatten die Menschen keine technologischen Hilfsmittel, auf die sie zurückgreifen konnten. Unsere neue Normalität wird von Technologie geprägt, die uns mehr Möglichkeiten für zwischenmenschlichen Kontakt eröffnet und somit neue Verhaltensweisen etabliert.“

Chen betonte, dass wir dank Technologie in Echtzeit kommunizieren und voneinander lernen können, indem wir Ideen und Wissen austauschen und unsere Geschäftsprozesse aufrechterhalten. KI und Technologie sorgt in vielen verschiedenen Bereichen für Mehrwert, etwa in der der Telemedizin und bei Onlineschulungen. Sie können auch in der Lieferkette von entscheidender Bedeutung sein.

Mehr als nur Science Fiction

„Die Krise verdeutlicht, mit welchen Herausforderungen wir es zu tun haben“, merkte Fleming an. Vor der Coronavirus-Pandemie waren über die Lieferketten hinweg weltweit 450 Millionen Menschen an der Beschaffung, Herstellung, Versendung und Lieferung von Waren beteiligt. Heute arbeiten die meisten Fabriken mit halber Kapazität und das Netzwerk wird langsam heruntergefahren. Prognosen zufolge könnten dieses Jahr 17 der 20 führenden Volkswirtschaften vor einer Rezession stehen. 92 Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmen haben nur Barreserven für bis zu drei Monate. Das macht es für sie schwierig, diesen widrigen Umständen zu trotzen.

Angesichts dieser momentan ernüchternden Prognosen können es sich Unternehmen nicht erlauben, Geld an Cyberkriminelle zu verlieren. Auch wenn Cyberkriminalität nichts Neues ist, hat das Ausmaß des Problems zugenommen, da heute die meisten Menschen im Internet unterwegs sind. Fleming, Chen und andere Experten sind sich einig, dass Technologie dabei helfen kann, die Verhaltensweisen von Menschen zu ändern.

„Kriminelle beobachten, was wir tun. Wenn wir sie im Auge behalten, dann sehen sie auch, dass wir sie überwachen. Eine erhöhte Transparenz trägt dazu bei, kriminelle Machenschaften zu unterbinden“, so Chen. Er fügte jedoch hinzu, dass es noch immer Bedenken gegenüber KI gibt: „Wir dürfen nicht vergessen, dass unsere Ängste von unserer eigenen Vorstellungskraft geschürt werden. Es ist an der Zeit, Science-Fiction-Szenarien hinter uns zu lassen und Technologie einzusetzen, um unsere Welt zu verändern und besser zu machen.“

Experten wie Chen und Fleming sind Teil einer wachsenden Gemeinschaft, die verantwortungsvolle Unternehmensmaßnahmen vorantreiben und dabei gemäß dem UN Global Compact, einer Initiative der Vereinten Nationen, agieren.

„SAP Purpose Network Live bietet eine Plattform für Zusammenarbeit und Unterstützung bei Hilfsmaßnahmen für COVID-19“, erklärte Ann Rosenberg, Head of UN Partnerships und Purpose Execution bei der SAP. „Wir bringen Changemaker zusammen und legen den Grundstein für eine nachhaltigere Zukunft.“

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