Warum es sich lohnt, die Corona-Warn-App zu installieren

Die Corona-Warn-App, die im Auftrag der Bundesregierung von der Deutschen Telekom und der SAP entwickelt wird, soll dazu beitragen, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verlangsamen. Was ist der Nutzen der Applikation?

Die Mitarbeiter der Gesundheitsämter sind in diesem Moment damit beschäftigt, SARS-CoV-2-Infektionsherde aufzudecken und Ansteckungsketten zurückzuverfolgen. Gleichzeitig stehen die Ämter dabei vor einer enormen Herausforderung und kommen nicht selten strukturell an ihre Grenzen. Die Rückverfolgung von Infektionsketten ist ein entscheidender Teil der Gesamtstrategie zur Bekämpfung von Pandemien. Derzeit gibt es beinahe wöchentlich weitere Lockerungen und viele wünschen sich im Alltag mehr Normalität. Damit das gelingt, müssen – nebst den weiter notwendigen Hygiene-Schutzmaßnahmen – Kontaktpersonen von positiv getesteten Personen schnell benachrichtigt werden, so dass Infektionsketten früh unterbrochen werden. Die Corona-Warn-App unterstützt hier.

Wird die Corona-Warn-App Pflicht?

Nein. Die App setzt auf Freiwilligkeit und nutzt sowohl Einzelnen, wie auch der Gesellschaft. Die Deutsche Telekom und die SAP setzen daher auf einen verantwortlichen Umgang und eine hohe Nutzung.  Die Software ermöglicht den elektronischen Abruf von Testergebnissen und hilft bei der Erkennung möglicher Infektionsrisiken. Hierbei geschieht nichts ohne die ausdrückliche Zustimmung des Anwenders. Die COVID-19-Warnfunktion lässt sich selbstständig vom Nutzer deaktivieren, und die App kann selbstverständlich jederzeit wieder vollständig deinstalliert werden.

Die Zahl der Neuinfizierten ist derzeit gering; die Auflagen werden immer stärker gelockert. Warum jetzt die App installieren?

COVID-19 wird auf absehbare Zeit nicht verschwinden. Solange kein Impfstoff breit verfügbar ist, kann eine neue Infektionswelle nicht ausgeschlossen werden. Damit keine zweite flächendeckende Quarantäne mit weitreichenden Schutzmaßnahmen notwendig wird, müssen Infektionsketten erfolgreich und möglichst lückenlos zurückverfolgt werden können. Dabei hilft die Corona-Warn-App.

Die App ist ein wichtiger Baustein für mehr Normalität. Allerdings: Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus ist mit dem Herunterladen der App nicht gebannt. Trotz der derzeit vergleichsweise niedrigen Zahl an Neuinfektionen in Deutschland sind die Gefahren durch das Virus nicht weniger brisant. Andere Schutzmaßnahmen wie Abstandhalten, oder Nasen- und Mundschutz bleiben auch weiterhin wichtig.

Welche Daten werden wo gespeichert und wer hat Zugriff auf die Daten? 

Die App fordert vom Nutzer keinerlei persönliche Daten. Informationen wie Name, Alter oder Anschrift werden von der Corona-Warn-App nicht abgefragt.

Weitergegeben werden ausschließlich Codes, wenn sich zwei Geräte über einen bestimmten Zeitraum nahekommen. Diese Codes ändern sich in kurzen Abständen und verhindern so eine Nachverfolgung des Geräts. Die Liste der empfangenen Codes verbleibt zu jeder Zeit auf dem Endgerät, so dass niemand, außer der lokalen App selbst, Zugriff auf diese Daten erhält. Welches Gerät sich hinter diesem Code verbirgt, lässt sich nicht erkennen, weil der Code verschlüsselt ist und so die Identität des anderen Smartphones schützt.

So könnte beispielsweise eine Person, zu der täglich im Bus ein Kontakt besteht, einen Nutzer selbst dann nicht mit einem Code in Verbindung bringen, wenn eine Liste der verfügbaren Codes einsehbar wäre. Neben diesen Codes sammeln die Geräte in der Nähe keine weiteren Informationen. Eine Verknüpfung mit Benutzerkennungen oder der Seriennummer (IMEI) von Geräten ist nicht möglich. Wie in der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vorgeschrieben, ist die Datenminimierung oberstes Gebot.

Wie wird sichergestellt, dass die Daten nicht missbraucht werden?

Die dezentrale Datenspeicherung auf den Geräten sorgt für Datenschutz. Dezentral bedeutet, dass die verschlüsselten Daten nicht auf einem zentralen Server zusammengeführt werden. Die IDs sind vom Benutzer unabhängig, werden zufällig generiert und zunächst nur lokal auf dem Smartphone des Nutzers gespeichert. Die SAP und die Deutsche Telekom arbeiten sehr eng mit Experten aus der Datenschutz-Community zusammen und stimmen sich während des Entwicklungsprozesses eng mit diesen ab.

Der quelloffene Code sorgt zudem dafür, dass die Öffentlichkeit die Funktionsweise der App überprüfen und Anmerkungen abgeben kann.

Wie lange speichert die Corona-Warn-App Begegnungen mit anderen Nutzern?

Die Software speichert die Codes der letzten 14 Tage. Meldet sich der betreffende Anwender als mit SARS-CoV-2 infiziert, werden seine eigenen Codes auf einen Server übertragen. Alle anderen Smartphones laden diese Codes herunter, und gleichen daraufhin lokal ab, ob sie einem der Codes des Anwenders begegnet sind.

So funktioniert die Corona-Warn-App.

Bei welchem Abstand und welcher Dauer von Begegnungen mit infizierten App-Nutzern warnt die Software?

Die Corona-Warn-App schätzt anhand der Dämpfung des verwendeten Bluetooth-Signals, ob der Abstand zwischen zwei Geräten mehr oder weniger als zwei Meter beträgt. Diese Nähe wird vom Robert Koch-Institut aufgrund derzeitigen epidemiologischen Informationen als kritisch bewertet. In die Risikoberechnung fließt dann ein, wie lange sich Nutzer während einer Begegnung in verschiedenen Entfernungen zueinander aufgehalten haben. Entscheidend für die Bewertung ist also nicht lediglich die einmalige Entfernung während eines Treffens, sondern der Gesamtverlauf des Kontakts.

Auf welchen Smartphones funktioniert die Corona-Warn-App?

Die Software funktioniert auf iOS- und Android-Geräten. iOS-Geräte benötigen Version 13.5 des Betriebssystems um die App herunterladen zu können. Bei Android-Geräten ist Version 6 Voraussetzung zum Verwenden der Lösung. Zusätzlich müssen hier die Google Play Services installiert sein.

Wird die App auch mit den Lösungen anderer Länder interagieren können?

Aktuell konzentrieren sich die Deutsche Telekom und die SAP voll auf die Funktionalität der App in Deutschland. Dabei wird die übergreifende Funktionalität mit anderen europäischen Lösungen schon mitgedacht. Derzeit gibt es noch große Unterschiede in Nachbarstaaten bezüglich Entwicklungsfortschritt und der Entscheidung über ein dezentrales oder zentrales Modell der Kontaktfeststellung. Daher ist eine Interaktion der verschiedenen Apps zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.

Durch das Bluetooth-Protokoll sowie den Standard von Google und Apple wird die Möglichkeit geschaffen, entsprechende Roaming-Funktionalitäten anzubinden. Die SAP und die Deutsche Telekom stehen schon im engen Austausch mit anderen Ländern, beispielsweise mit der Schweiz, Niederlande und Frankreich, um eine Interoperabilität über Landesgrenzen zukünftig einrichten zu können.

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