Bund beauftragt SAP und Telekom mit Corona-Warn-App

SAP und die Deutsche Telekom entwickeln die Corona-Warn-App. Die beiden Projektleiter Martin Fassunge, Senior Development Manager SAP, und Peter Lorenz, Leiter der Portfolio Unit Digital Solutions bei T-Systems, erklären den Auftrag der Bundesregierung.

Herr Fassunge, Herr Lorenz: Die Bundesregierung holt Sie für die Corona-Warn-App an Bord. Wie sieht die Aufgabenverteilung zwischen den Unternehmen aus?

Martin Fassunge, Senior Development Manager SAP

Fassunge: SAP und die Telekom kennen sich gut. Wir sind ein eingespieltes Gespann. SAP stellt über eine technische Plattform die Software-Technologie zur Verfügung. Wir treiben die Lösungsentwicklung voran. Zusammen arbeiten wir mit Hochdruck an einer Open-Source-Lösung. Dies ist eine zentrale Forderung von Datenschutz und Öffentlichkeit an uns: Transparenz herstellen, keine Chance für Hintertüren bieten. Damit schaffen wir Vertrauen.

Lorenz: Wir machen als Partner jenseits dieses Projektes vieles gemeinsam. Die Deutsche Telekom bringt ihre Stärken im Hinblick auf Prozesse rund um Netzwerk- und Mobilfunktechnologie ein. Wir kümmern uns zudem und den sicheren und effizienten Betrieb. Hinzu kommt die Telekom Security. Unsere Sicherheits-Spezialisten werden das System auf Herz und Nieren prüfen.

Wie genau funktioniert die App?

Fassunge: Sie misst über Bluetooth den Abstand zwischen Personen. Die App ermöglicht, dass die Mobilgeräte sich die Kontakte merken, die die festgelegten Kriterien (Nähe und Zeit) erfüllt haben. Dazu tauschen die Geräte untereinander temporär verschlüsselte Identitäten aus. Werden Nutzer der Corona-Warn-App positiv auf das Corona-Virus getestet, können sie auf freiwilliger Basis ihre Kontakte durch die App informieren lassen. Dabei werden im Infektionsfall die verschlüsselten IDs des Infizierten allen Mobiltelefonen der App-Nutzer zur Verfügung gestellt. Der Abgleich der ID‘s findet auf dem Client statt. Diese können daraufhin überprüfen, ob sie mit den übermittelten IDs in Kontakt waren. Im Falle einer Übereinstimmung wird der Nutzer über den kritischen Kontakt gewarnt.

Was sagen die Datenschützer dazu?

Peter Lorenz, Leiter der Portfolio Unit Digital Solutions bei T-Systems.

Lorenz: Die App speichert Daten dezentral. Informationen bleiben also auf dem Smartphone. Das ist im Übrigen auch der Ansatz, den Apple und Google generell verfolgen. Wir arbeiten darüber hinaus intensiv mit der Datenschutz-Community zusammen. Wir stimmen jeden Entwicklungsschritt mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ab. Auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, BfDI, ist von Beginn an eng eingebunden. Das führt zusammengenommen zu einem hohen Maß an Sicherheit.

Fassunge: Die Nutzung der App ist freiwillig. Sie dient ausschließlich der Information der Bevölkerung. Entscheidungsrelevante Daten für Verwaltung und Politik sammelt die App nicht. Unser gemeinsames Ziel ist breite Akzeptanz. Nur wenn viele Menschen sie nutzen, kann die App einen Beitrag gegen die Ausbreitung der Pandemie leisten.

Was sind die nächsten Schritte?

Fassunge: Wir informieren auf der Entwickler-Plattform Github über den Fortgang. In der Open-Source-Community gilt der Leitsatz: Release early, release often. Wir berichten daher schon aus der Frühphase der Entwicklung und werden kontinuierlich Meilensteine auf Github veröffentlichen.  Programmierer und andere Interessierte tauschen sich so mit uns aus.

Lorenz: Auf dem weiteren Plan steht das Design der Prozessketten. Also die Frage: Welchen Weg nimmt die Information von Nutzer zu Nutzer über Gesundheitsamt und Labor? Das machen wir zusammen mit dem Bundesgesundheitsministerium. Die Produktgestaltung steht ebenfalls an – etwa für Login oder intuitive Bedienung der App. SAP-ERP-Systeme sind an 77 % aller Transaktionsumsätze weltweit beteiligt, über 200 Millionen Nutzer greifen auf SAP-Cloud-Anwendungen zu. Die Telekom bietet Millionen Privatkunden Service-Apps. Diese Kompetenz gehört zur DNA beider Unternehmen.