Corona-Warn-App – Wo stehen wir nach dem ersten Monat?

Heute vor einem Monat hat die Bundesregierung die Corona-Warn-App offiziell vorgestellt. Für mich war dieses Projekt mit seinen hohen Anforderungen eine der spannendsten Herausforderungen meiner bisherigen Laufbahn. Mit diesem Release erreichte ein einmaliges Projekt seinen Höhepunkt  – nach weniger als 50 Tagen intensiver Entwicklungsarbeit unter besonderen Bedingungen.

Der (Zeit-) Druck und die Erwartungen waren hoch. Alle Teams arbeiteten vom Homeoffice aus und die Dimension des zugrunde liegenden Open-Source-Ansatzes setzte neue Maßstäbe für öffentliche Softwareprojekte in Deutschland.  

Während des gesamten Entwicklungsprozesses war das Ziel aller Projektpartner, vollständigen Einblick in die Funktionen der App, den Code und die Datenschutz- und Sicherheitsvorschriften zu bieten. Die Zahl der Downloads, das Engagement der Community auf der Open-Source-Plattform GitHub und das Feedback unabhängiger Fachleute bestätigen, dass dies der richtige Ansatz war. All dies war entscheidend, um Vertrauen und Akzeptanz für die App in der Bevölkerung zu erreichen.   

Die wesentlichen Highlights des Corona-Warn-App-Projekts

  • Nach heutigem Stand wurde die App 15,8 Millionen Mal heruntergeladen  
  • Mehr als 500 TeleTANs wurden generiert, um positive Testergebnisse zu verifizieren 
  • Innerhalb der ersten 24 Stunden wurde die App 6,5 Millionen Mal heruntergeladen 
  • In beiden App Stores erfreut sich die App immer noch hoher Beliebtheit. Seit vier Wochen ist die Corona-Warn-App die am häufigsten heruntergeladene kostenlose App 
  • Es ist das größte je in Deutschland realisierte Open-Source-Projekt im Auftrag der Bundesregierung 
  • Ein einzigartiges Beispiel für ein unternehmens- und institutionenübergreifendes Projekt  
Jürgen Müller, Chief Technology Officer und Vorstandsmitglied der SAP SE
Jürgen Müller, Chief Technology Officer und Vorstandsmitglied der SAP SE

 

Jürgen Müller: “Ich bin wirklich beeindruckt, was wir als Projektteam, als Land und als Gesellschaft erreicht haben.”

 

 

Nächste Schritte: Sprachversionen und Verfügbarkeit in anderen Ländern

Doch mit dem ersten Release ist unsere Arbeit noch nicht getan! Zwei der wichtigsten Prioritäten sind derzeit die Interoperabilität mit den Corona-Apps anderer Länder – insbesondere in der Europäischen Union – und die Verfügbarkeit der deutschen App in den App Stores anderer Länder. Das Robert Koch-Institut teilte kürzlich mit, dass die Corona-Warn-App nun auch aus App Stores in allen EU-Mitgliedstaaten sowie Norwegen, der Schweiz und Großbritannien heruntergeladen werden kann. Neben Deutsch und Englisch wird es eine türkische Sprachversion geben, die Ende Juli zur Verfügung stehen wird. Weitere Sprachen wie Russisch, Rumänisch, Arabisch und Polnisch werden im Laufe der Zeit folgen. Da die meisten europäischen Länder planen, ähnliche Anwendungen einzuführen, prüfen wir in enger Abstimmung die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit.  

Lassen Sie mich auch etwas auf die “Bugs” und die entsprechenden Push-Meldungen eingehen, die manche von Ihnen vielleicht bekommen haben. Diese sind für ein solches Projekt in der Anfangsphase nicht unüblich. Selbstverständlich nehmen wir alle “Bugs” und Rückmeldungen sehr ernst, unabhängig davon, ob sie sich auf die eigentliche App oder die zugrundeliegende Schnittstelle beziehen, die von Apple und Google zur Verfügung gestellt wird. Unsere Teams arbeiten permanent an Verbesserungen – beispielsweise für die Benutzungsoberfläche, die Barrierefreiheit oder die Berechnung des Risikowerts. Die Verbesserungen werden Teil der kommenden Updates für die Corona-Warn-App sein. Außerdem arbeiten Google und Apple an Aktualisierungen für das Exposure Notification Framework. Informationen zu den häufigsten “Bugs” und Anleitungen, wie man sie beheben kann, sind unter www.coronawarn.app aufgeführt.

Open Source und Transparenz waren Erfolgsfaktoren bei der Entwicklung

Bevor ich zum Ende komme, möchte ich die Gelegenheit nutzen und meine persönlichen Erfahrungen, die ich aus diesem Projekt mitgenommen habe, mit Ihnen teilen: In diesem besonderen Fall waren die Open-Source-Entwicklung und Transparenz die entscheidenden Erfolgsfaktoren. Die Veröffentlichung der technischen Dokumentation und die Community auf GitHub haben sehr dazu beigetragen, die Bedenken der Öffentlichkeit frühzeitig zu adressieren. Zudem konnten dank engagierter Community-Mitglieder Programmierfehler schnell erkannt und behoben werden. Natürlich kann und wird künftig nicht der gesamte Programmcode bei Projekten offengelegt werden, an denen die SAP beteiligt ist. Aber Klarheit, eine sehr genaue Zielsetzung und die laufende Einbeziehung von Kunden und Endanwendern sind entscheidend für jedes Softwareprojekt. Die Anliegen der Zielgruppe und das Ziel der Software immer vor Augen haben – das ist der Schlüssel zum Erfolg.  

Weitere Informationen über das laufende Projekt finden Sie auf GitHub sowie in den regelmäßig aktualisierten Informationen auf der Webseite des Robert Koch-Instituts 

Alles Gute und bleiben Sie gesund! 


Weitere Informationen: